In der Distel : Kanzler dringend gesucht

Zum Mitmachen: Die Distel, als Kabarett zumindest räumlich am nächsten an der Regierungsmaschinerie, möchte gern der Stachel für die da oben im Kanzleramt und in den Abgeordnetenbüros ein paar Ecken weiter sein – mal so richtig pieken, dass es weh tut.

Lothar Heinke

In ihrem neuesten Programm versucht das kleine Ensemble am Bahnhof Friedrichstraße, zu piesacken und zu stacheln, jedenfalls fährt es zwei Stunden lang ein paar scharfe Geschütze auf – und das Publikum ist begeistert. Weil die quirlige Dorina Pascu, der vielseitige Timo Doleys und das Distel-Urgestein Edgar Harter die politischen Dinge dieser krisenhaften Zeit ohne Umschweife beim Namen nennen. So fühlt sich jeder angesprochen, wenn über „Menschen als Material zur Profitmaximierung“ verhandelt wird: Ist das nun wahres Leben oder Kabarett? So recht weiß man das bei der derzeitigen Nachrichtenlage wirklich nicht.

Das neue, inzwischen 118. Nummernprogramm heißt „Jenseits von Angela“: Die Kanzlerin ist verschwunden, auf ihrem Schreibtisch liegt ein Zettel „Bin weg“. Was nun? Wer macht den Job? Die CDU-Frau und der junge SPD-Mann suchen jemanden, wo käme Deutschland ohne Kanzler hin? Aus der zweiten Reihe holen sie einen Berliner aus Marzahn, Karl-Heinz Diernowski, der erst mal ziemlich bockig den Posten nicht haben, aber dann doch irgendwie will, damit wir das Mittelmaß weiter so lieben wie bisher. Seine besten Momente hat dieser Mensch aus dem Volk, wenn sein Zorn in Wallung gerät, da denkt man schon mal unwillkürlich an die ZDF-Anstalt, die beste Kabarettsendung, die es im Fernsehen gibt.

Ein bisschen Klamotte ist hier natürlich dabei, wie in der Politik. Aber das Ganze nimmt den Zuschauer als Partner ernst, er findet seine Gedanken zu Parteienkram, Bankenkrach und Krise auf der Bühne wieder und staunt sogar, wenn bei „Teleshopping Taliban“ mutig Tabuzonen betreten werden. Der aus Neuss stammende Regisseur Martin Maier-Bode hat die Hälfte der 28 Nummern beigesteuert, das ist frische Blutzufuhr fürs Kabarett, das nach Meinung des Autor-Regisseurs Maier-Bode in Berlin „unterhaltend und zugleich sehr politisch, moralisierend und scharf sein soll“. Ist gelungen.

Die nächste Vorstellung beginnt am heutigen Sonntag um 20 Uhr. Weitere Termine sind am 12., 14., 15., 16. und 17. April (jeweils ab 20 Uhr). Am 25. April nimmt die Distel an der „Langen Nacht der Theater und Opern“ teil. Informationen im Internet unter www.distel-berlin.de, das Kartentelefon hat die Nummer 20 44 704.

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