Indizierte Musik : Voll krass

Bundesweit stehen 34 Rap-Platten auf dem Index. Fast alle kommen aus Berlin. Und die Liste wächst.

In Stuttgart sind sie immer noch angewidert, was sie da für ein Rap-Video aus Berlin im Netz entdeckt haben. „Ein übles Machwerk!“, heißt es im baden-württembergischen Bundesinnenministerium.

Am Montag wurde bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Anzeige erstattet. Der Vorwurf: Beamtenbeleidigung, Gewaltverherrlichung. Ermittelt wird jetzt gegen eine Rapper-Crew, die sich „DeinEltan“ nennt und aus dem alten West-Berliner Postleitzahlengebiet 65 kommt: Wedding. Konkret geht es, wie berichtet, um das Lied „Fick die Cops“, das fünf Minuten lang ist und in dem Mai-Krawalle, fliegende Steine und viel Feuer zu sehen ist. Unter anderem rappen die Jungs: „Ein guter Cop ist ein Cop, dessen Kopf über den Asphalt rollt/gib ihm mit dem Teleskop / Todesschläger/Schädelbruch/Ein Cop ist ein guter Cop/ blutet er die Straße voll/ Tritt ihn, bis er Zähne spuckt.“

Der baden-württembergische Landesvorsitzende der Polizei-Gewerkschaft, Joachim Lautensack – er hatte das Video im Netz entdeckt und sich bei Innenminister Rech (CDU) via Mail beschwert –, sagt: „Ich habe nichts gegen Kunst und nichts gegen Kritik. Auch darf man Polizisten veralbern – aber nicht zu massivster Gewalt aufrufen.“ Von den Rappern war keine Stellungnahme zu erhalten.

Bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit Sitz in Bonn kennt man die Berliner Rap-Szene bereits sehr genau: Von den 34 CDs, die seit den neunziger Jahren als jugendgefährdend eingestuft wurden, kommen mehr als 30 aus Berlin. Und alle zehn indizierten Alben dieses Jahres wurden von Berliner Künstlern aufgenommen.

Meist geht es um Gewalt, Hassparolen gegen Schwule oder Frauen. Die Vorsitzende der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding, fürchtet, dass beim Hörer die Hemmschwelle zur Gewalt dauerhaft abnimmt – und die Fähigkeit, Mitleid mit anderen Menschen zu empfinden. Mitleid zu haben oder Rücksicht zu nehmen gilt in Rapperkreisen als „schwul“. Die Strafverfolgung der Staatsanwaltschaft ist das eine, die Indizierung etwas völlig anderes. Bisher ist kein Antrag bei der Behörde eingegangen, das Album von „DeinEltan“ überhaupt zu prüfen. sel/AG

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