Internationales Congress Centrum : Starthilfe mit Juhnke

Heute vor 30 Jahren wurde das ICC eröffnet Es hat die Stadt viel gekostet, aber inzwischen auch Milliarden eingebracht.

Christian van Lessen
Harald junke
Harald Juhnke vor dem ICC. -Foto: dpa

Was haben die Leute von der Messe und im Senat hin- und herüberlegt: Der Neubau könnte „die Brücke“ oder das „Haus der Internationalen Verständigung“ heißen. Sie einigen sich dann auf einen ganz anderen Namen: Internationales Congress Centrum. Das klingt so griffig, vor allem abgekürzt: ICC. Als Solches wird es am 2. April 1979 auf den Weg geschickt, um Karriere und Werbung für die Stadt zu machen. Heute ist es genau 30 Jahre alt.

In jenen Tagen heißt der Bundeskanzler Helmut Schmidt. Am Vortag der Eröffnung hat Ayatollah Khomeini die islamische Republik ausgerufen. Das regt die Leute mächtig auf und rückt die ICC–Eröffnung – bundesweit betrachtet – in den Hintergrund. Aber schon zwei Tage vor seiner offiziellen Eröffnung wird das Gebäude im ganzen Land bekannt. Da gibt’s nämlich die ZDF-Sendung „Musik ist Trumpf“ mit Harald Juhnke – live aus dem neuen ICC. Kaum ist es eröffnet, fühlt sich Volkes Stimme gefordert, einen neckischen Spitznamen zu ersinnen: Doch ob Raumschiff, Fährschiff oder auch Kongress-Jumbo – ein Spitzname bürgert sich nicht ein.

Die West-Berliner Seele gewöhnt sich mehr oder weniger schnell an die gebaute Utopie des Architektenpaares Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Das Foyer des Kolosses sieht aus, wie sich Klein Moritz einen Weltraumbahnhof vorstellt, garniert mit großen und kleinen Konferenzräumen. Zwischendrin der Berliner Presseball. Ballkleider auf Rolltreppen – ein verjährter Witz.

Das ICC überspannt den Messedamm mit einem Brückenbau, deshalb hätte es auch Brücke heißen können. Die Aluminiumfassade ist schon wegen der Länge ein Blickfang: 320 Meter. Aber das Haus fällt auch wegen der Kosten auf – unangenehm. Erst sollte es 427 Millionen D-Mark kosten, dann wurde fast eine Milliarde D-Mark abgerechnet.

Der erste Milliardenbau Berlins hat sich bei vielen Menschen ins Bewusstsein gegraben. Das Haus abzureißen – der Senat hat die Idee verworfen – wäre unpopulär, weil damit auch viel verbautes Geld verloren ginge. Und dabei ist das Haus ein Gewinn, kann mit seinen internationalen Erfolgen wuchern. Schon in den achtziger Jahren heimste es dreimal hintereinander den Titel „Best Convention Centre of the Year“ ein, gerade ist es zum fünften Mal in Folge mit dem World Travel Award geehrt worden. Er gilt als Oscar der Reise-Industrie. Unter den führenden Tagungsorten der Welt belegt das ICC im noch aktuellen Ranking von 2007 weltweit den zweiten Rang hinter Wien, vor Singapur, Paris und Barcelona.

Wolfgang Rogall von der Messe Berlin nennt eindrucksvolle Zahlen an Kongress- und Show-Veranstaltungen. Sie gehen in die Zehntausende. Und mehr als elf Millionen Besucher haben sich inzwischen im Haus aufgehalten. Allein die auswärtigen Kongressteilnehmer sollen in der Stadt inzwischen zwei Milliarden Euro ausgegeben haben.

Wer mag, so dürfte sich der Senat gefragt haben, so eine Kongresskuh schlachten? Aber gesund ist sie nicht, läuft auf Krücken, muss zur Sanierungskur. Die kostet vermutlich mehr als 180 Millionen Euro. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es nicht, aber repariert und modernisiert werden soll bei laufendem Betrieb, und möglichst soll 2016 alles fertig sein. Das ICC ist dann technisch auf dem neuesten Stand.

Zum Geburtstag wird Europas größte Tagungsstätte zumindest mit Licht aufgefrischt. Eine Woche lang erstrahlt das Bauwerk in bunten Scheinwerferfarben, und ein Banner am Haus wünscht: „Happy Birthday ICC Berlin“. Das liest und spricht sich gut. Nur nebenbei: „ Happy Birthday Brücke oder Haus der internationalen Verständigung“ – das sähe irgendwie albern aus.

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