Interview : „Zivilpolizisten steigern die Sicherheit“

Busfahrervertreter Thomas Wiener dringt darauf, Beamte auch ohne Uniform gratis zu befördern. Im Interview erläutert der 40-Jährige seinen Vorschlag.

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Thomas Wiener Betriebsratsvorsitzender des BVG-Tochterunternehmens "Berlin Transport". -Foto: privat

Herr Wiener, die BVG hat den Vorschlag abgelehnt, Kriminal- und Justizbeamte in Zivil künftig kostenlos in Bussen und Zügen mitfahren zu lassen, um Gewalttäter abzuschrecken. Wie ist nun die Stimmung unter den Fahrern?

Die haben gestern das erste Mal von dieser Idee erfahren. Sie finden aber, dass solche Beamte in Zivil ihr subjektives Sicherheitsgefühl erhöhen würden.

Inwiefern?

Wenn der Beamte vorne einsteigt und seinen Dienstausweis zeigt, dann weiß der Fahrer, da fährt jemand mit, der im Notfall helfen kann. Als Busfahrer zum Beispiel weiß man nie, was während der Schicht passiert. Die Situation kann von einer auf die andere Sekunde eskalieren. Mit einem erhöhten Sicherheitsgefühl fährt man doch ganz anders.


Fühlen sich die Busfahrer denn besonders gefährdet?

Ja, natürlich. Ein Straßenbahnfahrer hat nicht ganz so das Gefühl, sehr gefährdet zu sein – er sitzt schließlich in seiner Kabine. Aber ein Busfahrer ist vorne ungeschützter. Er befindet sich da fast wie auf einem Präsentierteller für Randalierer und Gewalttäter.

Seit wann ist das so?

Ich würde sagen, seit vor einigen Jahren beschlossen wurde, dass jeder vorne einsteigen und sein Ticket vorzeigen muss. Einige Menschen fühlen sich schon bei der Aufforderung, den Fahrschein vorzulegen, provoziert.

Die BVG ist dagegen, Zivilbeamte kostenlos fahren zu lassen, weil diese für den Fahrgast nicht zu erkennen seien. Entscheidend sei die Uniform.

Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde den Vorschlag gut, auch Beamte in Zivil kostenlos zu befördern. Zumindest müsste die BVG offen sein, darüber einmal nachzudenken oder darüber zu reden. Man kann ja bei einem Treffen gemeinsam nach einer Möglichkeit suchen, wie das für alle Seiten am besten umzusetzen ist.

Nämlich?

Ich sehe ein, dass beispielsweise ein Sachbearbeiter aus der Verwaltung sicherlich nicht geeignet ist, um bei einer Eskalation einen Gewalttäter abzuschrecken. Doch Polizisten, die tagtäglich im Job auf Streife sind und in solchen Situationen geschult, die können auch in Zivil helfen und somit das Sicherheitsgefühl der Fahrer verstärken.

Sind Sie enttäuscht, dass die BVG den Vorschlag bisher kategorisch ablehnt?

Soweit ich weiß, haben die Zuständigen des Unternehmens überhaupt nicht auf den Vorschlag, den der Justizstaatssekretär schriftlich unterbreitet hat, reagiert. Das finde ich unmöglich.


Thomas Wiener sprach mit Tanja Buntrock.

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