Investitionshilfen : SPD will Fördergeld für kleine Kinos

Deutschland droht das Kinosterben. Der Grund: In absehbarer Zeit ersetzt die Festplatte die Filmrolle. Die Berliner Politik reagiert jetzt.

André Weikard

Die Umstellung von analoger auf digitale Projektion bedeutet für die Kinobetreiber, dass nachgerüstet werden muss. Die Kosten hierfür liegen bei rund 60 000 Euro – pro Projektor. Das überfordert vor allem die kleineren, finanzschwachen Programmkinos. Das sind in Berlin 58 der 98 Kinos. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierte in einer im März vorgelegten Studie, nur 30 Prozent von ihnen könnten die Digitalisierungswelle überleben, wenn keine Hilfmaßnahmen eingeleitet würden.

Die Berliner Politik, die nicht nur kulturelle Interessen, sondern auch Arbeitsplätze und den angestrebten Unesco-Ehrentitel „City of Cinema“ bedroht sieht, reagiert jetzt. Gestern lud Frank Zimmermann, medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, zum Pressegespräch. Er fordert ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit den regionalen Fördermitteln. Die sollten künftig nicht mehr in der Hauptsache die Filmproduktion, sondern auch den Vertrieb berücksichtigen. Das Förderinstrumentarium der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH müsse daher um die Kategorie „Kino“ ergänzt werden. Andere Bundesländer stellten den Betreibern längst Investitionshilfen zur Verfügung. In Bayern liegen die bereitgestellten Mittel bei bis zu 50 000 Euro pro Kino, in NRW gar bei 100 000 Euro. Den finanziellen Mehraufwand müsse die Medienboard GmbH allerdings aus den bisherigen Mitteln von circa 30 Millionen Euro bestreiten. Eine Aufstockung der Haushaltsmittel sei derzeit nicht vorgesehen. 

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