Stadtleben : Italienische Grandezza

Der quirlige Filmball zur Berlinale, die „Notte delle Stelle“, wird im Februar erstmals ganz groß gefeiert

Elisabeth Binder

Institutionen, die ihr Dasein auf einer Papierserviette beginnen, haben mitunter eine große Zukunft. Die „Notte delle Stelle“, der quirlige italienische Filmball während der Berlinale, wurde so 1993 im Ristorante Bacco in Charlottenburg aus der Taufe gehoben. Im kommenden Jahr wird der Ball am 19. Februar zum ersten Mal ganz groß im Maritim Hotel in der Stauffenbergstraße gefeiert, dort, wo auch der ADAC-Ball und der Berliner Presseball stattfinden. Auch eine Preisverleihung wird wieder dazu gehören.

Den ersten Premio Bacco bekam 1993 Sophia Loren. Sie sei so begeistert gewesen, dass sie versprochen habe, die von dem in Berlin lebenden sardischen Künstler Fulvio Pinna entworfene Statuette zu Hause zwischen ihren Oscars aufzustellen, erzählt Massimo Mannozzi, der Berlins traditionsreichstes Ristorante betreibt. Der Edelitaliener war damals ein beliebter Treffpunkt für die bei der Berlinale akkreditierten italienischen Journalisten, und Massimo Mannozzi war Freund, Begleiter, Berater für viele italienische Stars in der Stadt.

Irgendwann kam die Idee, am Rande der Berlinale etwas Eigenes für die italienische Filmgemeinde zu machen. Die Premiere fand noch im Bacco selber statt – mit 35 Gästen. Drei Jahre später wurde zum ersten Mal der Filmball „Notte delle Stelle“ im benachbarten Hotel Steigenberger gefeiert. Da trafen sich nicht nur Bacco-Fans, sondern auch andere italophile Berliner, die am Rande der Festspiele mitfeiern wollten. Zwischen 350 und 400 Gäste kamen zusammen, und künftig wird noch Platz für mehr Leute sein. Italienische Delikatessen und Weine und die temperamentvolle Tanzmusik sind es nicht allein, die den Ball beliebt machen. Es ist auch die herzliche Atmosphäre, die Massimo Mannozzi seiner Sternennacht einhaucht. Wie viele Italiener versteht er es, sich mit einiger Grandezza in Szene zu setzen, aber da ist trotzdem eine Bescheidenheit geblieben, die den Ball zum Erfolg geführt hat. Es gab verschiedene Versuche, in Berlin wieder Filmbälle zu etablieren. Einer scheiterte vor zwei Jahren kläglich am Dilettantismus. Die Gala „Cinema for Peace“ hat sich zwar sehr erfolgreich etabliert. Allerdings kam es in der Vergangenheit immer mal wieder zu Konflikten mit der Berlinale, weil im Rahmen dieser Gala mehr und mehr Preise verliehen wurden.

Mannozzi hat sich immer auf den Premio Bacco beschränkt, der kurz und schmerzlos mit viel Wärme und ohne allzu lange Reden überreicht wird an zwei bis vier Künstler. Im Februar bekamen Riccardo Scarmacio, Katja Riemann und Uwe Kokisch den Preis. Die nächsten Preisträger stehen noch nicht fest. Die Entscheidung kann erst fallen, wenn im Januar bekannt wird, welche Filme auf der Berlinale zu sehen sein werden. Den Premio Bacco haben bisher eben keineswegs nur Italiener bekommen, sondern auch Deutsche, wie Mario Adorf und Volker Schlöndorff, die eine gute Beziehung zu Italien haben, zum Beispiel, weil sie dort gedreht haben. Elisabeth Binder

Karten kosten 250 Euro in der Kategorie A mit Sitzplatz und Menü, Flanierkarten: 130 Euro, www.nottedellestelle.de

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