ITB : Dem Fernweh so nah

Nur weg von der Krise: Die Schaulustigen drängten sich am ersten Besuchertag der Internationalen Tourismusbörse.

Florian Ernst
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Glänzendes Indonesien. Das Riesenland wirbt mit Charme und Folklore in Berlin. -Foto: ddp

Bis zum Urlaub ist es gar nicht mehr so weit – zumindest von der Entfernung her. Denn in den Messehallen unterm Funkturm lädt die Internationale Tourismusbörse zu Besuchertagen. Nach den Menschenmassen zu urteilen, die sich am Sonnabend dort drängten, planen doch etliche eine große Reise, Wirtschaftskrise hin oder her.

Vor einem Stand, der Ibiza anpreist, stehen Gabriella Wittmann und ihre Tochter Bianka. Sie wollen dieses Jahr nach Ungarn. Frau Wittmann kommt ursprünglich aus Ungarn, deshalb fährt die Familie jeden Sommer mit dem Auto dorthin. „Wir verbinden Verwandtenbesuche mit Ausflügen.“ Die Herbstferien würden für Reisen in andere Länder genutzt. Daran ändere auch die Krise nichts. Die Familie war schon auf Formentera, in Tunesien, der Türkei und in Finnland. Für Ibiza interessiert sich Tochter Bianka. Bei der 18-Jährigen steht nächstes Jahr die Abifahrt auf dem Programm, die Insel stehe hoch im Kurs. Die USA sind ebenfalls in der näheren Auswahl. Dort sei sie schon einmal für mehrere Monate gewesen, sagt Bianka Wittmann. „Ich überlege aber auch, den Ungarnvorteil auszuspielen.“ Immerhin spreche sie ja fließend Ungarisch.

Vor dem Hessenstand ist das Publikum sichtlich älter. Eine Wandkarte zeigt, wo die Städte liegen, und auf einem Flachbildschirm wird für die Märchenfestspiele Hanau, das Fridericianum in Kassel sowie die Städte Marburg und Wetzlar geworben. Doch auch das bayerische Aschaffenburg und die Mainzer Fasnacht, also eigentlich Rheinland-Pfalz, werden im Zuge der Region Rhein-Main gleich mitbeworben. Ein älteres Paar blättert in Broschüren. Urlaub in Deutschland sei zwar grundsätzlich interessant und jetzt in der Krise müssten sie auch besonders aufs Geld schauen. Aber die Reise nach Ägypten und später nach Ungarn sei nunmal schon lange geplant gewesen, sagt Monika Knoblauch. Die beiden Berliner verreisen gemeinsam. Insgesamt gehören zehn Personen zu ihrer Reisegruppe, sagt die 67-Jährige, die sich auch um Organisation und Ziele kümmert. Zuerst habe man sich zum Walken im Berliner Umland getroffen, mittlerweile seien es eher Spaziergänge.

Eine junge blonde Frau in einem altertümlichen Kleid und einem Korb mit Informationsmaterial kommt an dem Stand vorbei. Eine Schärpe weist sie als Keltenprinzessin aus. „Wir sind eigentliche ein Dreigestirn“, sagt Alexandra Hollenbach. Die anderen Beiden seien am Messestand für Thüringen. Sie wirbt für das thüringische Bad Salzungen mit seinem Keltenbad. Da der kleine Ort keinen eigenen Stand habe, gehe sie durch die Messe, um mit Interessierten zu sprechen, erzählt sie.

Nicht nur Berliner schauen sich auf der Messe nach Reisezielen um. Zwischen Palmen und beschallt von karibischen Klängen betrachten Marcel Schaffrath und seine Freundin Madeline Herbig den Stand von Panama. Die beiden sind aus dem thüringischen Mühlhausen zur ITB gereist. Sie würden sich nur mal allgemein umschauen, sagt Marcel. Gerne würden sie in die Karibik reisen. „Für junge Leute ist das leider heute nicht möglich“, sagt die 18-Jährige. Das sei einfach zu teuer.

Einige Hallen und Dutzende Stände weiter hat sich eine Menschentraube gebildet. Die Messebesucher beobachten einen Mann in einem roten Trikot, der mit Fußbällen jongliert. Im Hintergrund steht ein Tor, aus den Boxen schallt laute Musik. Der Stand wirbt für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.

Die Veranstalter sind mit den Besucherzahlen zufrieden – von Krisenstimmung keine Spur. Die Vorjahreszahl an Fachbesuchern sei auch in diesem Jahr erreicht worden, sagt ITB-Sprecherin Astrid Ehring. Auch nach dem ersten Publikumstag am Sonnabend habe sie den Eindruck, dass so viele gekommen sind wie vergangenes Jahr.

Michael Bittner hat sich gerade am Stand von Israel umgesehen. Der 32-Jährige aus der Nähe von Cottbus kommt jedes Jahr zur ITB nach Berlin, sagt er. Auch ihn lässt die Krise kalt: „Wer wegfahren will, tut’s auch.“

Die ITB hat auch heute von 10 bis 18 Uhr für jeden geöffnet. Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 8 Euro.

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