ITB : Lockruf der Ferne

Über 11.000 Aussteller aus 187 Ländern werben auf der ITB um Urlauber. Am Wochenende steht sie auch dem breiten Publikum offen. Das Partnerland ist diesmal die Türkei.

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Weltreise unterm Funkturm. Viele Länder – wie hier Taiwan – werben mit großem Aufwand für sich. Die Besucher kann’s freuen: In den...dpa

Das Himmelstor wiegt 1670 Kilo und steht auf einem Stück Kunstrasen. „Sogar die kaputten Ecken sind wie beim Original“, sagt eine Mitarbeiterin der türkischen Botschaft und zeigt auf etwas, das aussieht, als sei dort Stein abgebröckelt. Das Tor ist der nördliche Eingang zur berühmten Divrigi-Moschee in Zentralanatolien – fast 900 Jahre alt und Weltkulturerbe der Unesco. Nun ja, das Original ist ein bisschen schwerer als das 1670-Kilo-Imitat aus Kunststoff, der mit Marmorpulver vermischt wurde. Die Kopie soll Lust auf Urlaub in der Türkei machen – auf der 44. Internationalen Tourismus Börse unterm Funkturm, die am Sonnabend und Sonntag für jedermann geöffnet ist.

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11127 Aussteller aus 187 Ländern sind dabei: Reiseveranstalter, Hotels, Reisebüros und Tourismusverbände aus der ganzen Welt. Die Türkei ist nicht nur Partnerland, sondern auch der größte Aussteller – 100 Firmen und Organisationen sind auf mehr als 3000 Quadratmetern in Halle 3.2 vertreten. Es ist kein Wunder, dass die Türkei in diesem Jahr der große Star der Messe ist: Es sei das einzige Land, dass 2009 trotz Weltwirtschaftskrise mehr Urlauber als zuvor empfangen hat, sagt Ertugrul Günay, der türkische Minister für Kultur und Tourismus. 27 Millionen Menschen hätten ihre Ferien dort verbracht, darunter 4,5 Millionen Deutsche. In diesem Jahr hofft Günay sogar auf 5 Millionen. Und er wünscht sich, dass es sie nicht nur an die Strände um Antalya zieht, sondern auch an die vielen kulturellen Orte des Landes: Neun Stätten des Weltkulturerbes gibt es in der Türkei. Und Istanbul ist Kulturhauptstadt 2010.

Für all das wird auf der ITB geworben: Folklore-Tänze sind zu sehen, die Popsängerin Elif tritt auf und die Band Secil ve Grup 34. Und am Sonntagnachmittag wird in Halle 3.2 eine große Abschiedsparty gefeiert. Dort, neben dem Himmelstor, ist auch ein kleiner Ableger des „ältesten Einkaufszentrum der Welt“ zu finden: Sechs der 3600 Geschäfte des alten Basars in Istanbul aus dem 15. Jahrhundert.

Auch in den anderen 25 Hallen der Messe finden Besucher exotische Reiseziele: Die „Central and Innerasian Countries“ (CIA) Kasachstan, Kirgisistan, Mongolei, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan haben in diesem Jahr zum ersten Mal eine eigene Halle (7.2.b). Eine Plattform für „Gay and Lesbian Travel“ bietet Halle 2.1. Alles über Abenteuer- und Erlebnisreisen erfährt man in Halle 4.1, mehr als 30 Länder stehen zur Auswahl. Doch manches Spannende kommt gar nicht aus der Ferne: Robothespian etwa ist aus Wolfsburg angereist, um für das Wissenschafts- und Experimentiermuseum Phaeno als „Wochenend-Reiseziel“ zu werben. Robothespian ist eine ziemlich menschliche Maschine: „To be or not to be“ deklamiert der Roboter immer wieder mit dramatischer Stimme in Halle 6.2. – und scheint dabei verträumt zu gucken.

Für Technik in Deutschland interessieren sich gerade auch zwei vollbärtige indische Sikhs: Mit ihren großen Turbanen zwängen sie sich in eine winzige Isetta aus den Sechzigern, die als „Knutschkugel“ zur Legende wurde. Das Mini-Auto mit der aufklappbaren Vorderfront steht in der Bayern-Halle und wirbt für einen Besuch im BMW-Museum in München. Und natürlich muss ein Erinnerungsfoto mit den beiden Indern gemacht werden. Wie auch immer wieder vorm Himmelstor – ein Besuch auf der ITB ist eben fast wie richtiger Urlaub.

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