Jagdschloss Grunewald : Vernissage im Grünen

Nach fast dreijähriger Sanierung wird das Jagdschloss Grunewald wieder fürs Publikum geöffnet. Mehrere Ausstellungen sind zu sehen.

Andreas Conrad
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Frisch saniert. Das Jagdschloss Grunewald wird wieder zum Museum. Foto: Thilo Rückeis

Ein Ausflug in den Grunewald war fast drei Jahre lang allein ein Naturvergnügen. Wer die Kunst suchte, wählte andere Ziele, da das Jagdschloss Grunewald wegen gründlicher Sanierung für den Publikumsverkehr geschlossen blieb. Das Ergebnis konnte man Ende September bei Tagen der offenen Tür schon einmal besichtigen, die runderneuerten Räume waren aber noch kahl. Am 28. Mai ist es mit diesem Leerstand vorbei. An diesem Tag öffnet das Museum im Jagdschloss wieder seine Pforten. Im Erdgeschoss, in der dortigen Großen Hofstube und im ehemaligen königlichen Schlafzimmer, wird über die Geschichte des Schlosses und seiner musealen Nutzung seit 1932 informiert. Im ersten Stock ist eine „Von Angesicht zu Angesicht – Berliner Porträtmalerei aus drei Jahrzehnten“ betitelte Bilderschau zu sehen. Die Werke decken die Zeit vom Barock bis zum Biedermeier ab, von den Herrscherporträts des Großen Kurfürsten und seiner Nachfolger über die Gelehrten- und Künstlerbildnisse der Berliner Aufklärung bis zu den bürgerlichen Porträts des 19. Jahrhunderts. Bilder von Reitern und Jagdgesellschaften bis zur Kaiserzeit komplettieren die Ausstellung.

Die Gemälde waren bis zur Schließung des Jagdschlosses in zwei Räumen des zweiten Obergeschosses dicht gehängt, jetzt wurden sie eine Etage tiefer großzügiger verteilt. Auf die Werke von Lucas Cranach, einst Prunkstücke des Museums, muss man warten, sie werden ab Ende Oktober innerhalb der Ausstellung „Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern“ im Schloss Charlottenburg gezeigt.

Weiter ist auf dem Gelände des Jagdschlosses, im ehemaligen Jagdzeugmagazin, eine Ausstellung zur Jagd-, Bau- und Ausgrabungsgeschichte des Schlosses zu sehen. Dieser Teil des Areals war schon seit einiger Zeit wieder zu besichtigen.

Das Schloss war 1542/43 entstanden, später erweitert und umgebaut worden. Durch die Nähe zum See – früher gab es sogar einen Wassergraben – hatte es diverse Setzungen, Verwindungen, kleine Risse gegeben. Um dem zu begegnen, wurde jetzt eine Fuge in einigen Metern Höhe ins Mauerwerk gefräst, Stahlseile wurden drumherumgelegt und verspannt. Zu sehen ist davon nichts mehr, alles wurde verputzt und frisch gestrichen. Eine neue Heizung wurde installiert, vorher war das Raumklima für die Kunst sehr unbekömmlich. Fenster wurden überarbeitet, Decken gereinigt und restauriert. Und im Nebentrakt gibt es jetzt einen kleinen Veranstaltungsraum und ein neues Café – nach dem geistigen Kunstgenuss verlangt auch der Körper sein Recht.

„Von Angesicht zu Angesicht“, Jagdschloss Grunewald, 28. Mai bis 31. Oktober, täglich außer montags, 10 bis 18 Uhr. Näheres unter www.spsg.de

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