Stadtleben : Joggen für die Krone

Sir Michael Arthur ist der neue britische Botschafter – und ein begeisterter Freizeitsportler

Elisabeth Binder

Der neue britische Botschafter Sir Michael Arthur ist ein Generalist. Gerade hat er den Berliner Halbmarathon in einer Zeit von 1 Stunde 41 Minuten geschafft, da freut er sich schon auf eine Radtour über die Mecklenburgische Seenplatte. Und danach auf eine sonntägliche Bergkraxelei im Salzkammergut. Der 57-Jährige musiziert aber auch gern, spielt Klavier und Violine und macht Kammermusik. Wenn ihm die Arbeit Zeit dazu lässt. Selbst in der Stille seines schönen großen Büros wirkt der drahtige Mann im nach bester britischer Schneiderart perfekt sitzenden Anzug wie ein Energiebündel. „Ich kann nicht still sitzen“, sagt er entschuldigend. Und erklärt seine Leidenschaft fürs tägliche Joggen im Grunewald und im Tiergarten so: „In meinen Beruf muss man viel essen und trinken und sich also auch viel bewegen.“ Ehefrau Plaxy teilt seine Leidenschaften. Die passionierte Pädagogin ist gelernte Mathematiklehrerin und berät Schulen. Kennengelernt haben die beiden sich beim Studium in Oxford.

Kontakt zu Menschen zu haben ist so eine Art Berufung für den Botschafter. Das hat ihn letztlich auch zum Diplomaten werden lassen. Ein gutes Klima zu schaffen, auch bei Topmanagern und den Spitzenvertretern der Länder, ist ihm wichtig, obwohl die Beziehungen zwischen England und Deutschland enger kaum sein könnten.

Reden zu schreiben ist eine seiner bevorzugten Beschäftigungen. Ständig macht er sich Notizen, um keinen Einfall zu verlieren. Fünf Reden pro Woche können es gut und gerne werden, alle zu unterschiedlichen Themen. In der Lutherstadt Wittenberg spricht er über Demokratie, in Dresden über Stereotype und über den wechselseitigen Blick auf Großbritannien und Deutschland. Zwar betont er, wie sehr er das „ernsthafte und intellektuelle deutsche Publikum“ genießt, vorsichtshalber spickt er die Reden dann aber doch reichlich mit Anekdoten und unterhaltsamen Passagen. Das Bild vom deutschlandkritischen Briten muss aus seiner Sicht revidiert werden. Es stimme einfach nicht mehr.

Ein ganz wichtiger Wendepunkt war die Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren, als die Briten ein völlig neues Bild von den Deutschen bekamen. Die erschienen plötzlich viel lustiger und lockerer und offener, als die Klischees es immer nahegelegt hatten. Aber auch umgekehrt seien bei den Deutschen da manche Vorurteile über englisches Rowdytum geheilt worden.

Eine immer größere Rolle im Umgang miteinander spielt die gemeinsame Kultur, und natürlich könne man voneinander lernen, wo es gilt, gemeinsame Probleme zu bewältigen. Die Integration von Migranten zählt für ihn ebenso dazu wie die Bekämpfung des Terrorismus. Bevor der 57-Jährige im vorigen Herbst nach Deutschland kam, war er Botschafter in Indien. Von 1984 bis 1988 war Sir Michael Arthus schon einmal in Bonn an der Botschaft tätig. Deutsch hat er allerdings schon in der Schule gelernt. Ein Austauschprogramm, das ihn als 16-Jährigen nach Oberbayern führte, hat seine Begeisterung für alles Deutsche auf Dauer geweckt. Heute sei das schwieriger, „weil die jungen Leute exotische Ziele für Austauschprogramme suchen, Vietnam oder Laos.“ Berlin hatte aber immerhin dank der preiswerten Flüge 324 000 Besucher aus Großbritannien im vorigen Jahr, mehr als aus irgendeinem anderen Land und fast dreimal so viele wie aus Frankreich. Seine vier erwachsenen Kinder nennen Berlin „the happening place“, einen Ort, wo Dinge passieren. Entsprechend gern kommen sie zu Besuch.

Auch für Kunst interessiert sich der Botschafter, schwärmt von den Schätzen des Grünen Gewölbes in Dresden, die ihn fasziniert haben. Bamberg mag er, aber auch Friesland. In Berlin fühlt er sich auf der Museumsinsel besonders wohl, aber auch am Gendarmenmarkt. Ein echter Generalist braucht in seinem Repertoire natürlich auch die Literatur. Dafür ist Frau Plaxy zuständig. „Durch sie erfahre ich alles über Romane.“ Er selbst liest lieber Biografien und Sachbücher. Er lernt halt gern, sammelt Wissen auf verschiedenen Feldern wie ein Universalgelehrter. Schon weil das immer wieder Stoff für neue Reden gibt.

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