Jubiläum : Berlins dienstältester Konzertveranstalter wird 80

Heute wird Witiko Adler 80 Jahre alt. Seit 61 Jahren ist er im Geschäft und holte viele Stars der Klassik nach Berlin. Doch den Großteil seines Hauptgeschäfts macht Adler nicht mehr in der armen Hauptstadt, sondern in Köln - mit seinem zweiten Standbein.

Frederik Hanssen
Witiko Adler
Witiko Adler. -Foto: Udo Lauer

Er ist ein feiner alter Herr, dezent, seriös, zurückhaltend. Und er kennt sie alle: Seit 61 Jahren holt Witiko Adler die Stars der Klassik nach Berlin. Bereits als 19-jähriger stieg er in die Familienfirma ein. Zusammen mit der Mutter baute er das Unternehmen auf, nachdem der Vater ein Jahr später gestorben war. Der junge Witiko überredete jüdische Künstler wie Eugene Ormandy oder Yehudi Menuhin, wieder in Deutschland aufzutreten. Besonders Menuhin wurde ein enger Freund, bis zum Tod des legendären Geigers 1999 ließ er sich von der Konzertdirektion Adler vertreten.

Witiko Adler könnte stundenlang Anekdoten von Diven und Pultgöttern erzählen. Tut er aber nicht. Sein Trumpf ist ja gerade die Verschwiegenheit. Er mag verraten, dass es unter seinen Künstlern welche gibt, die 50000 oder gar 100000 Euro Abendgage kassieren – die Namen nennt er selbstverständlich nicht. Adler ist der Diplomat im nachtblauen Zweireiher. Wenn Herbert von Karajan seine gefürchteten Wutattacken hatte, rief man nach Witiko Adler.

Adler war übrigens auch der dienstbare Geist, der 1976 die folgenreiche erste Begegnung zwischen Karajan und der blutjungen Anne-Sophie Mutter arrangierte – und anschließend zum Generalmanager der Wundergeigerin wurde. Wirtschaftlich konnte er allerdings nur wenige Jahre vom kometenhaften Aufstieg Mutters profitieren: Bald legte sich die ehrgeizige Künstlerin ihr eigenes Managementbüro zu. „Sie muss über alles genau Kontrolle haben“, sagt er heute, „und blockiert sich zuweilen damit.“

2008 feiert Witiko Adler gleich zwei runde Geburtstage: Am heutigen Mittwoch wird er 80 Jahre alt, im Oktober steht dann das 90. Gründungsjubiläum der Firma an. Groß gefeiert wird allerdings nicht: Dazu sind die Zeiten wirtschaftlich einfach zu hart. Den Großteil seines Umsatzes macht Adler seit langem nicht mehr im armen Berlin, sondern im reichen Rheinland – dank seines zweiten Standbeins, der „Westdeutschen Konzertdirektion“ Köln – sowie mit der Vermittlung von Künstlern wie Daniel Barenboim.

Den ausgefallenen Vornamen verdankt Adler übrigens Adalbert Stifter. Von dessen 1864 entstandenem Roman „Witiko“ ließen sich seine Eltern inspirieren.
Informationen im Internet unter: www.musikadler.de

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