Jubiläumsbier : Kölsch in Berlin - es läuft und läuft und läuft…

Kölsch in Berlin? Das gibt es seit 30 Jahren. Damals hat die rheinische Bierspezialität erstmals Einzug gehalten - in einer Schöneberger Kneipe.

Liva Haensel

Auf der silberglänzenden Zapfsäule steht ein rosafarbenes Pappmachéschwein und starrt die Gäste an. Darunter hängen vier Zapfhahnschilder: Flensburger Pilsener, König Pilsener, Malustra Dunkel, Zunft Kölsch. Ja, Kölsch. Das Bier vom Rhein hat Einzug in Berlin gehalten. Und zwar als Erstes hier, in der Schöneberger Kneipe „Tüsselbands Malustra“. Vor 30 Jahren, am 18. März 1978, nahm dessen Wirt Achim Tüsselband Zunft Kölsch aus der kleinen Erzquell Brauerei Bielstein an den Hahn.

Claus Kind – rosa Hemd, dunkles Sakko – steht am runden Stehtisch und nimmt einen zünftigen Schluck seines Lieblingsgetränks. Der Rheinländer feiert mit Freunden, Berlinern und dem Wirt. Er feiert den Erfolg eines Bieres, das sich im Exil durchsetzte. 30 Jahre Kölsch in Berlin – und außerdem 30 Jahre „Malustra“, das vier Monate zuvor an der Martin-Luther-Straße eröffnet hatte.

1978, Kind war als junger Jurastudent an der Freien Universität eingeschrieben, plagte den Rheinländer eine Sehnsucht. Die Sehnsucht nach jenem obergärigen und leichten Bier, das ihm aus dem Kölner Raum so vertraut war. „Ich habe mich damals abends in den Studentenkneipen gefragt, warum es eigentlich kein Kölsch in Berlin gibt“, erzählt Kind. Oft habe er mit Berliner Kommilitonen im „Mommsen-Eck“ oder „Xantener“ gesessen. Auch das „Malustra“ kannte er von den Abenden. Die Berliner Biere schmeckten dem Remscheider gut – aber das Kölsch fehlte ihm dennoch. Also machte sich Kind auf, um für das Bier zu werben. „Ich bin einfach los und habe in den Kneipen mit den Wirten gesprochen.“ Die meisten reagierten offen, „wie die Berliner eben so sind“, sagt Kind und lacht. Das habe sich etwa so angehört: „Claus, wenn deine Suppe nicht läuft, schmeiß ich die wieder raus.“ Die „Suppe“ lief dann aber bestens.

Als Erster ließ sich „Malustra“-Wirt Tüsselband von Kind überzeugen und führte das Zunft Kölsch am 18. März 1978 ein. Seitdem wird das helle Bier, das die Kölner am liebsten im 0,2-Glas, die Berliner eher im 0,4-Glas trinken, mit am meisten verkauft. „Platz zwei“, sagt Tüsselband zufrieden.

Claus Kind, der die Rechtswissenschaften später aufgab und Handelsvertreter wurde, ist der Kneipe und seiner Studienstadt bis heute verbunden geblieben. „Berlin, das ist für mich immer noch die lebendige, aufregende Stadt“, sagt er enthusiastisch. Er lebt wieder in Remscheid, aber mindestens einmal im Jahr kommt er hierher, und wenn er schon im Ruhestand wäre, würde sich der 56-Jährige am liebsten eine Wohnung in Mitte oder Friedrichshain zulegen. Bis dahin liest Kind, wie schon seit Studentenzeiten, täglich den Tagesspiegel und sammelt die Ausgaben fleißig in einem eigenen Zeitungsarchiv, das mittlerweile über 45 000 Exemplare verfügt. Dem Kölsch gibt er noch viele Jahre im Exil: „Den absoluten Durchbruch hatte es ja dann in den 90er Jahren nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin. Heute ist Kölsch in Berlin fest etabliert.“ Liva Haensel

2 Kommentare

Neuester Kommentar