Stadtleben : Jung, klassisch und nicht nur europäisch Publikumsjury gesucht für „Young Euro Classic“

Frederic Hanssen

Jan Moritz Onken ist in seinem Leben schon ganz schön viel herumgekommen: Geboren wurde er in Wuppertal, 19-jährig ging er nach St. Petersburg, um Dirigieren zu studieren. 2004 bekam er ein Stipendium für das Bard College in New York, anschließend wurde er in München Assistent von Mariss Jansons beim Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Seit 2005 lebt er in Berlin. Seinen ersten Job als Chefdirigent trat er allerdings im vergangenen Herbst recht weit entfernt von der deutschen Hauptstadt an: Am kasachischen Nationalkonservatorium in Almaty leitet der 31-Jährige das Sinfonieorchester.

Für die Studenten war die Ankunft des deutschen Maestro ein Schock: Erst legte ihnen Jan Moritz Onken die extrem anspruchsvolle Partitur von Igor Strawins kys „Sacre du printemps“ auf die Pulte – und dann fragte er sie auch noch nach ihrer Meinung. Der Dirigent als Partner der Musiker? So etwas war hier keiner gewohnt! Das Experiment glückte: Wenn die Kasachen am 8. August nach Berlin kommen, um beim „Young Euro Classic“-Festival zu spielen, werden sie Strawinskys „Sacre“ im Gepäck haben. Und ein neues Selbstbewusstsein im Herzen. Mit ihrem Dirigenten stellen sie sich mutig dem Vergleich mit den 14 anderen Jugendorchestern, die diesmal wieder ins Schauspielhaus am Gendarmenmarkt eingeladen sind. Eigentlich müsste das Festival ja „Young Global Classic“ heißen, denn die Gäste kommen längst aus aller Welt: Diesmal sind neben diversen deutschen und international gemischten Formationen Großbritannien, Finnland, Frankreich, die Türkei, China, Aserbaidschan und eben Kasachstan vertreten.

„Young Euro Classic“ versteht sich als Volksfestival. Bei Einheitspreisen von 12 Euro auf allen Plätzen soll jeder, der sich für die Nachwuchsensembles interessiert, auch dabei sein können. Und weil außerdem der Kunde bei „Young Euro Classic“ König ist, gibt es in jedem Sommer eine zehnköpfige Publikumsjury, die alle Konzerte besucht und zum Finale einen Preis in Höhe von 5000 Euro für das spannendste neue Werk vergibt. Diese Jury versteht sich als Stellvertreterin aller Zuhörer und setzt sich darum auch aus ganz normalen Klassikfans zusammen. Nur der oder die Vorsitzende ist vom Fach.

Bewertet werden alle Ur- oder Erstaufführungen, die in der Konzertreihe präsentiert werden – wobei die Orchester aufgefordert sind, Stücke von noch lebenden Landsleuten mitzubringen. Die Kasachen präsentieren bei ihrem Konzert unter der Leitung von Jan Moritz Onken zwei neue Partituren: eine symphonische Dichtung von Aktoty Raimkulova sowie ein Stück mit dem Titel „Kulan“ von Renat Gaissin. Frederic Hanssen

Bewerbungen für die Publikumsjury werden heute bis einschließlich Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr im Festivalbüro von Young Euro Classic unter der Berliner Telefonnummer 88 47 13 90 entgegengenommen.

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