Juni 2009 : Der Sommer geht noch nicht baden

Vor einem Jahr gab es in Wannsee bei Tropenhitze lange Schlangen. Jetzt ist der Strand leer – und die Kasse auch.

Christoph Stollowsky
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Mangelnde Dichte. Für die Bäderbetreiber ist der Sommer bisher zum Heulen. Am Sonntag blieben die meisten Strandkörbe im Strandbad...Foto: Uwe Steinert

Am Sonntagnachmittag, so um die Kaffeezeit, ist die Hoffnung auf ein bisschen Sonne bei den Bademeistern im Strandbad Wannsee schon wieder vorbei. Die paar wärmenden Strahlen, die sich zuvor durch den Hochnebel gequält haben, sind weg, und die wenigen Badegäste am Strand werden sich in den nächsten Stunden nur geringfügig vermehren. Das ist Petra Deneckes „frustrierende Erfahrung“ der vergangenen Wochen. „2008 standen die Leute um die gleiche Zeit vor den Kassen bis zum Wald Schlange“, sagt die 35-jährige Bademeisterin. „Bis zu 13 000 Besucher hatten wir pro Tag.“ Im Mai und Juni 2009 kamen täglich nur ein paar hundert Gäste. Entsprechend gering waren die Einnahmen. Ein finanzieller Verlust, der in diesem Jahr alle Berliner Freibäder trifft.

„Mindestens drei Tage lang muss die Sonne vom Himmel knallen, dann erst vertrauen die Berliner dem Wetter und strömen ins Freibad“, weiß der langjährige Chef des Strandbades Wannsee, Axel Ott. Aber eine solche verlässliche Periode gab’s in dieser Saison höchst selten, weshalb Ott betrübt auf seine Zahlen blickt. Im Juni 2008 hatte er mehr als 60 000 Badegäste, diesen Juni sind es knapp 8000.

Auch am Sonntag bleibt die Zahl der Autos am Parkplatz vor Berlins größtem Freibad überschaubar, im einzigen geöffneten Kassenhäuschen kann Regina Ziemann in Ruhe Kaffee trinken. Sie verkauft nur hin wieder einige Karten. Vom Wannsee bläst den Besuchern eine kühle Brise entgegen. Das Kindergeschrei am Strand übertrifft kaum die Lautstärke an einem familiären Gartenpool. Im knöcheltiefen Sand bauen einige Paare mit ihrem Nachwuchs Strandburgen, die meisten Besucher sind aber ältere Jahrgänge, die der Leere auch Gutes abgewinnen. „Schön ruhig hier“, sagt eine betagte Zehlendorferin, während sie es sich in einer kurzen Sonnenphase auf ihrer Decke gemütlich macht. Einen Strandkorb haben nur wenige in Besitz genommen. An Hitzetagen muss man früh anstehen, um noch einen der 180 Strandkörbe und 200 Liegestühle des Bades zu ergattern, derzeit werden 30 Körbe und etwa zehn Liegestühle täglich vermietet. Und auch die Pizzabäcker und Barkeeper an der Strandpromenade machen miserable Geschäfte. „Das ist eine Katastrophe“, klagen sie unisono.

Meteorologe Karl Heinz Oberthier vom Wetterdienst „Q.met“ macht ihnen mit Blick auf die Siebenschläfer-Regel im Bauernkalender allerdings Hoffnung. Er sagt „bessere Sommerwochen von Anfang Juli bis Mitte August“ voraus. Denn nach seiner Beobachtung hat sich das Wettergeschehen ab Mitte Juni bis zum Siebenschläfertag am 27. des Monats „kontinuierlich trotz mancher Rückschläge in Richtung Wärme und Trockenheit entwickelt“. Ein Trend, der nach Oberthiers Prognose in der kommenden Woche zum Durchbruch kommt (siehe Kasten). Und genau eine solche Entwicklung rund um den Siebenschläfertag, sagt er, sei laut Bauernregel die Voraussetzung für eine danach länger anhaltende Sonnenzeit.

Die Bademeister in Wannsee hören es gerne, bleiben aber skeptisch. „Schon einige Male lagen die Wetterfrösche in dieser Saison daneben“, sagt Petra Denecke. Dann schaut sie gelangweilt zu den wenigen Schwimmern im See. „Aber so macht der Job einfach keinen Spaß.“ Christoph Stollowsky

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