Karikaturist Klaus Stuttmann : Merkel in Minuten

19.01.2011 11:45 UhrVon Stefan Jacobs
Video: Klaus Stuttmann über sein Leben als Karikaturist - Video: Jana Demnitz

Der Karikaturist Klaus Stuttmann zeichnet live im Tagesspiegel-Salon. Und erzählt unter anderem davon, dass der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz wegen einer vom ihm gezeichneten Einladungskarte einen Protestbrief an Kurt Beck geschrieben hat.

Es ist eine Weltpremiere, der Saal im Tagesspiegel-Haus am Anhalter Bahnhof mucksmäuschenstill: Zum ersten Mal zeichnet Karikaturist Klaus Stuttmann vor Publikum: 130 Tagesspiegel-Leser sind zu ihrer „Zeitung im Salon“ gekommen; der Abend war binnen drei Stunden ausverkauft. Jetzt überträgt der Projektor die Füße, dann Beine, einen Oberkörper und eine Hand, die einen Spiegel hält. Da Stuttmann auf einem elektronischen Tablett zeichnet, wird jeder Strich live übertragen. Erwartungsfrohes Glucksen hebt an, als Stuttmann zwei triefig-hängende Augen skizziert. Als der weite Schwung folgt, der eine hochvolumige Frisur umreißt und das geheimnisvolle Subjekt zu Angela Merkel werden lässt, bricht sich Gelächter Bahn.

Drei Minuten hat die Bundeskanzlerinnenwerdung gedauert.

Für eine echte Karikatur käme jetzt noch eine Pointe hinzu, gern auch eine gemeine. Ob es Grenzen gibt und wo sie verlaufen, hat Stuttmann vorher mit Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne diskutiert. Statt einer klaren Definition kam dabei eher ein Eindruck davon heraus, wo das Terrain gefährlich wird – etwa bei Kritik an der israelischen Regierung, die den Kritiker leicht unter Antisemitismus-Verdacht geraten lässt. Wie verletzungsträchtig auch die sogenannten religiösen Gefühle sind, erlebt Stuttmann in diesen Tagen wieder einmal live: Die Einladungskarte zu einer Karikaturenpreisverleihung zeigt einen Phallus, der von innen her die Mauern eines Kirchturms sprengt. Grund genug für einen Protestbrief des Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz an Kurt Beck, den Ministerpräsidenten des Veranstalter-Landes Rheinland-Pfalz. Dass der Karikaturist auf die Verlogenheit der Institution Kirche zielt und nicht auf die Gefühle der Kirchgänger, kann dabei allzu leicht untergehen. Darf es aber nicht, denn Karikaturen gehören zur Pressefreiheit und Stuttmann sagt von sich, er sei eher Journalist als Künstler.

Ob er manche der von ihm Gezeichneten gern persönlich kennenlernen würde, fragt ein Zuhörer. „Nein“, sagt Stuttmann, und ergänzt in das anschwellende „Hohoho!“ hinein, dass es ihm nicht um eine grundsätzliche Abneigung gehe, sondern um Distanz: Jemandem, den man persönlich gut kenne, möchte man nicht zu nahe treten. Und eine Beißhemmung kann sich ein guter Karikaturist nicht leisten.

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