Karneval der Kulturen : Tanz die Tana Matua

4700 Teilnehmer aus 70 Nationen sind beim 14. Karneval der Kulturen dabei. Am Donnerstag gibt es erste Sperrungen in Kreuzberg.

Eva Kalwa
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Es ist vermutlich die weiteste Reise, die in Vorbereitung für den Karneval der Kulturen je unternommen wurde: Fast 16 000 Kilometer ist Mele Köhncke im vergangenen Jahr gereist, um auf der Südseeinsel Samoa die dort überlieferten Tänze bei einem professionellen Lehrer zu lernen. Schon seit über zehn Jahren unterrichtet die gebürtige Tonganerin in der „Nonga Dance Group“ in Prenzlauer Berg selbst polynesische Tänze und Kultur. Und sie hat mit der deutsch-tonganischen Gruppe „Aloha – Perlen der Südsee“ auch schon mehrfach am Karneval der Kulturen teilgenommen, der an diesem Pfingstwochenende zum 14. Mal in Kreuzberg stattfindet.

Die samoanischen Tänze, die wie auch die Tänze aus Hawaii, Tonga und Fidschi stets kleine Geschichten erzählen, sind in ihren Bewegungsabfolgen komplizierter als die vieler anderer Südseeinseln und verlangen daher sehr viel Training. „Die Geschichten aus Samoa werden meist in sehr kleinen, schnellen Bewegungen getanzt“, sagt Köhncke. „Im Ganzen haben wir für unseren Auftritt am Wochenende fast zwei Jahre trainiert.“

Schon die in den Farben der samoanischen Flagge gestalteten Kostüme lassen Südsee-Feeling aufkommen: weiße Muscheln und rote Federn auf dunkelblauem Grund. Köhncke hat sie für alle 18 Tänzerinnen, die am Pfingstsonntag beim großen Karnevalsumzug teilnehmen, aus traditionellen Stoffen selbst geschneidert. Zusammen mit ihrem deutschen Mann Peter hat die 37-Jährige auch die passende Musik dazu geschrieben und geschnitten. Denn die achtköpfige Jury, die am Wochenende die besten der rund 100 teilnehmenden Gruppen prämiert, verlangt eine maximale Aufführungslänge von 90 Sekunden. „Wir liegen zwar etwas darüber, aber den Punktabzug nehmen wir gern in Kauf“, sagt Peter Köhncke. Wichtiger als ein Platz unter den Ersten sei schließlich, dass die Geschichte von „Tana Matua“, der Urgroßmutter, die den Kindern Samoas die Wurzeln ihrer Kultur vermitteln will, korrekt in Tanz und Musik übersetzt wird.

Neben der „Tana Matua“ werden die „Perlen der Südsee“ beim Straßenumzug durch Kreuzberg noch zehn weitere Tänze aus Samoa präsentieren: kleine Geschichten über hübsche Tänzerinnen, Feste und Freundschaften und die große Bedeutung, die Frauen bei der Überlieferung der samoanischen Kultur spielen.

Der Straßenkarneval, der am Sonntag um 12.30 Uhr vom Hermannplatz startet und über die Hasenheide und Gneisenaustraße bis zur Yorckstraße führt, bildet den traditionellen Höhepunkt des viertägigen multikulturellen Festes. Über 500 000 Zuschauer standen im letzten Jahr an der Strecke, um die kunstvollen Kostüme, ausgefallenen Masken und prächtig dekorierten Wagen der Umzugskarawane zu bejubeln. Etwa so viele Menschen dürften auch in diesem Jahr kommen, um die rund 4700 Teilnehmer aus 70 Nationen anzufeuern, die in einem neunstündigen, fröhlich-bunten Festzug für Vielfalt, Toleranz und Lebensfreude in Berlin demonstrieren wollen.

Doch auch um die farbenfrohe Parade herum ist am Wochenende beim Karneval der Kulturen jede Menge los: Das Straßenfest, das die ganzen vier Tage von Freitag bis Montag rund um Blücherplatz, Blücherstraße, Zossener Straße und Waterlooufer gefeiert wird, startet am Freitag um 16 Uhr. Vier Bühnen bieten dann Musik aus jeder Himmelsrichtung und von jeder Spielart. Fast 900 Künstler, darunter Akrobaten, Zauberer, Seiltänzer und Stelzenläufer, verwandeln die Straßen in einen Ort der Fantasie und des spielerischen Miteinanders. Und wem dann irgendwann der Magen knurrt, der kann sich an rund 400 kulinarischen Ständen verköstigen. Deren Betreiber können in diesem Jahr zum ersten Mal komplett auf Einweggeschirr verzichten, denn eine mobile Spülstraße soll helfen, Plastikmüll zu reduzieren und den Karneval damit „grüner“ zu gestalten. Erstmals kann man auch am Stand der Werkstatt der Kulturen sein persönliches T-Shirt gestalten, Aufschriften wie „Postmigrant“ oder „17 Richtige im Einbürgerungstest“ sind dabei nur zwei von vielen Möglichkeiten.

Vor dem großen Umzug am Sonntag findet am Samstag der Kinderkarneval statt, 3000 Teilnehmer und 12 000 Besucher werden erwartet. Um 13.30 Uhr startet der Zug vom Mariannenplatz zum Görlitzer Park, und auch hierbei werden die fantasievollsten Kostüme und Aufführungen zum diesjährigen Motto „Der Eisvogel ist los“ prämiert. Im Anschluss wird im Görlitzer Park von 15 bis 19 Uhr ein großes Kinderfest mit Mitmachaktionen und einem vielseitigen Bühnenprogramm gefeiert.

Alles über die Route und Höhepunkte des Umzugs sowie Informationen zum Kinderkarneval finden Sie in unserer Samstagsausgabe.

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