Kiki Blofeld : Strandbar-Sterben geht weiter

Mitte September feierte das Kiki Blofeld in der Köpenicker Straße seinen Saisonabschluss – jetzt sieht es so aus, als ob die Party gleichzeitig die allerletzte in der Geschichte der Strandbar überhaupt war. Nach der Bar25 ist nun auch das Kiki Blofeld bedroht.

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Mitte September feierte das Kiki Blofeld in der Köpenicker Straße seinen Saisonabschluss – jetzt sieht es so aus, als ob die Party gleichzeitig die allerletzte in der Geschichte der Strandbar überhaupt war. Das Gelände, das bisher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört und dem Kiki Blofeld zur Zwischennutzung überlassen wurde, soll nach Tagesspiegel-Informationen innerhalb der nächsten zehn Tage verkauft und später bebaut werden. Damit muss nach der Bar25 in der Holzmarktstraße bereits die zweite große Spree-Strandbar innerhalb kurzer Zeit dichtmachen.

Das Kiki Blofeld in Mitte gehört zu den populärsten Draußenbars der Stadt, neben Sandfläche und einer Bar befinden sich auch eine große Wiese sowie ein Waldstück auf dem weitläufigen Gelände. Dass die Bundesanstalt einen Käufer suchte, war Betreiber Gerke Freyschmidt bekannt. Allerdings ging er bis letzte Woche davon aus, dass sein Kiki Blofeld mindestens eine weitere Saison lang öffnen könne, bevor die Bagger anrücken. Projektentwickler Christian Schöningh habe ihm dies im November persönlich versprochen. Davon will dieser allerdings nichts wissen: Er habe Freyschmidt lediglich gesagt, dass aus seiner Sicht „wenig dagegen“ spräche und dass der Käufer, die „Spreefeld Berlin GmbH“, auf keinen Fall eine jahrelange ungenutzte Brache vor Baubeginn wünsche. Ab Herbst sollen hier sechsgeschossige Wohnanlagen entstehen. Das Ufer soll jedoch öffentlich zugänglich sein, inklusive Fußweg und 20 Meter breitem Sandstrand. Wie genau diese Fläche genutzt wird, soll ein Ideenwettbewerb entscheiden, den die Gesellschafter der „Spreefeld Berlin GmbH“ noch diese Woche ausrufen wollen. Wie der öffentliche Zugang zu Uferweg und Strand allerdings langfristig und rechtlich bindend gesichert wird, ist noch unklar. Blofeld-Betreiber Gerke Freyschmidt warnt vor einem „Pseudo-Strand“, der kaum dauerhaft zugänglich sein werde.

Neben dem Aus von Kiki Blofeld und Bar25, deren Macher weiterhin einen neuen Standort suchen, droht noch weiteren Strandbars ein baldiges Ende: Auch das Yaam am Stralauer Platz ist nur zur Zwischennutzung zugelassen, das Gelände wurde inzwischen an einen neuen Investor verkauft, hier sollen Bürogebäude entstehen. Noch aber haben die Yaam-Betreiber keine Aufforderung erhalten, das Grundstück zu verlassen. Sie hoffen, wenigstens einen weiteren Sommer öffnen zu können. Fehlende Planungssicherheit sind die Macher eh gewohnt: In den vergangenen 15 Jahren mussten sie insgesamt sechs Mal ihren Standort wechseln. Das Strandgut an der Mühlenstraße hat dagegen die Zusage, auch 2011 zu öffnen. „Aber bei uns ist es genauso: Sollte ein großer Investor mit viel Geld auftauchen, müssen wir verschwinden“, sagt der Sprecher.

Sollten die Grundstückskäufer in der Köpenicker Straße nicht einlenken und das Kiki Blofeld eine weitere Saison dulden, möchte Blofeld-Macher Gerke Freyschmidt sein Projekt an einem anderen Ort wiederbeleben. Allerdings hat er keine Hoffnung, noch eine Brache in Ufernähe zu finden. „Da gibt es absolut nichts mehr.“ Sebastian Leber

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