Kinderbuch-Autorin : Von verkleideten Schweinen und hungrigen Drachen

Ute Krause schreibt und illustriert Kinderbücher. Demnächst liest sie Schulklassen vor – beim neuen Projekt „Berliner Bücherinseln“.

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Humor hilft immer. Kinderbuchautorin Ute Krause im Arbeitszimmer ihrer Friedenauer Wohnung. Fotos: Mike Wolff
Humor hilft immer. Kinderbuchautorin Ute Krause im Arbeitszimmer ihrer Friedenauer Wohnung. Fotos: Mike Wolff

Kinder lügen nicht. Deshalb sind sie für Ute Krause das beste Publikum, das es gibt. „Es macht mir großen Spaß zu sehen, wie meine Geschichten bei Kindern ankommen“, sagt die 49-Jährige, die gerade noch von ihrem ersten Roman erzählt hat: der Geschichte vom Flaschengeist Dschinn, der einen kleinen Jungen mit in die Vergangenheit nimmt – ins Wien des Jahres 1683 , um dort einen Fehler wieder gut zu machen.

Aus diesem Buch wird sie auch vor zwei Schulklassen lesen – im Rahmen des Projekts „Berliner Bücherinseln“, das vom gestrigen Dienstag an bis zum 26. Juni junge Leser mit Autoren und Illustratoren zusammenbringt. Ute Krause klappt den „Dschinn“ zu und überlegt ganz kurz, welches Buch sie als nächstes vorstellen könnte. Dann verschwindet sie für einen Moment am anderen Ende ihrer Friedenauer Altbauwohnung.

Bislang hat die Autorin 13 Bilderbücher geschrieben und gezeichnet, die Fortsetzung der Flaschengeist-Geschichte erscheint im Sommer. Und sie hat mehr als 200 Kinderbücher von Kollegen illustriert, darunter auch viele von Paul Maar. Mit dessen Sohn, dem Essayisten und Literaturkritiker Michael Maar, hat sie sich zu einer Patchwork-Familie zusammengetan, in die jeder der beiden einen Sohn mitgebracht hat, Michael Maar außerdem eine Tochter.

Es sind drei Dinge, die Ute Krause zu einer perfekten, sozusagen multimedialen Erzählerin machen: eine Stimme wie Samt, weich und beruhigend; ihr Zeichentalent, mit dem sie Bären, Drachen oder Schafe zu Papier bringt, aber auch jede Gefühlsregung zwischen Freude und Furcht. Ihre wichtigste Eigenschaft aber ist die Fähigkeit, ständig neue Geschichten zu erfinden, die überraschend sind, klug und vor allem humorvoll.

So wie das Bilderbuch, das sie gerade ins Wohnzimmer getragen hat: „Oskar und der sehr hungrige Drache“ erzählt von einem kleinen Jungen, dem eigentlich ein trauriges Schicksal bevorsteht: Er soll als Drachenmahlzeit enden und wird von dem großen grünen Tier eingesperrt. Weil der Junge aber so gut kochen kann, eröffnen die beiden zum Happy End ein Restaurant.

Als Kind hat Ute Krause unter anderem in Indien, Nigeria und der Türkei gelebt, weil ihr Vater als Entwicklungshelfer arbeitete. Mit ihren eigenen Geschichten hat sie sich schon als Elfjährige vom nächtlichen Fliegeralarm abgelenkt, als sie mit ihrer Schwester und vielen anderen Mädchen im Schlafsaal eines indischen Internats lag und nicht einschlafen konnte. Anfang der siebziger Jahre führten Pakistan und Indien wieder mal Krieg gegeneinander. „Damals habe ich das Vorlesen und Erzählen weitergeführt, das meine Eltern jahrelang für mich und meine Geschwister gepflegt haben“, erinnert sie sich. Ihre Geschichten seien teilweise so spannend gewesen, dass sie sich die Handlung tagsüber mit geschlossenen Augen weitererzählt habe.

Die meisten Plots ihrer Bücher hat Ute Krause, die Illustration, Regie und Drehbuchschreiben studiert hat, in den vergangenen Jahren an einem kritischen Publikum getestet – ihren Söhnen. „Mit den Jungs kann ich ausprobieren, ob die Handlung funktioniert, noch bevor ich sie aufschreibe.“ Ihre Geschichten erzähle sie den Kindern am liebsten im Dunkeln. Ute Krause hat durch ihre Arbeit auch gelernt, dass Kinder in ganz verschiedenen Ländern einen ähnlichen Humor haben. Auch deshalb wird längst nicht nur in Deutschland gelesen: Sechs ihrer Bücher sind mittlerweile ins Arabische übersetzt worden, darunter auch das vom Flaschengeist Dschinn und das Bilderbuch von Oskar.

Für ihr Buch „Helma legt die Gockel rein“ musste in der arabischen Version allerdings eine der Hauptfiguren weichen – das Schwein. „Dafür wurde dann ein Esel eingesetzt“, sagt Ute Krause. Ein ganz kleines Schweinchenbild, erzählt sie, haben die Macher allerdings vergessen.

Ute Krause liest am 14. und 22. Juni vor angemeldeten Schulklassen. Mehr Infos zu den „Berliner Bücherinseln“ unter www.berliner-buecherinseln.de und unter Tel.: 436 683 85.

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