Kino : Berliner Produktionsfirma hofft auf einen Oscar

Die Berliner Filmfirma Razor Film hat bereits einige bekannte internationale Filme produziert. Nun hofft die junge Firma wieder auf einen Oscar.

Edda Reiser
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Erfolgreich. Roman Paul (li.) und Gerhard Meixner von Razor Film. Foto: Wolfgang Borrs Wolfgang Borrs

Was haben ein kolumbianischer Film, der gute Chancen hat, am kommenden Rennen um die Oscars teilzunehmen, und eine junge deutsche Filmfirma gemeinsam? Sie sind Teil einer Berliner Erfolgsstory, aber dazu gleich mehr. Zunächst zum Film: „The Wind Journeys“ handelt von der Reise eines Musikers mit seinem ungewollten Schüler durch die traumhafte Landschaft Kolumbiens. Es ist ein Film mit tollen Bildern, einer anrührenden Geschichte und wunderschöner Musik – einer noch nie dagewesenen Mischung aus afrikanischen Klängen und deutscher Akkordeonmusik. Kolumbien will den Film ins Oscar-Rennen schicken; die endgültigen Nominierungen werden im Januar bekannt gegeben.

Im verschneiten Berlin, in einem Café in Prenzlauer Berg, ist Kolumbien sehr weit entfernt. Aber hier ist nun mal der Ort der Begegnung mit Roman Paul, dem Geschäftsführer von Razor Film und Co- Produzenten von „The Wind Journeys“. Der 41-Jährige Frankfurter – schwarze Designerbrille, Dreitagebart, ganz in Schwarz – kam 1998 nach Berlin, nachdem er in den USA, Frankreich und Japan studiert hatte. Sein Werdegang sei schnell erzählt, sagt er. Er und sein Geschäftspartner Gerhard Meixner arbeiteten vier Jahre gemeinsam beim Berliner Senator Film und gründeten schließlich im Herbst 2002 die eigene Produktionsfirma.

Es gibt aber schon einiges mehr zu berichten. Razor Film konzentriert sich auf internationale Co-Produktionen. Außerhalb der Branche noch recht unbekannt, hat die Firma bereits einige internationale Erfolge vorzuweisen. Gleich die erste Produktion, der vieldiskutierte Film „Paradise Now“, wurde 2006 für den Golden Globe und den Oscar nominiert. Die israelisch-französisch-deutsche Co-Produktion über den Nahostkonflikt, gedreht in der Westbank, war laut Paul eine „wahre Feuertaufe“.

Ein weiterer Glücksgriff von Razor Film war 2009 die ebenfalls israelisch- französisch-deutsche Co-Produktion „Waltz with Bashir“, die als Animations- dokumentation ein ganz eigenes Genre erfand. Der Film gewann den Golden Globe 2009 und wurde wiederum für einen Oscar nominiert. Und nun eben der kolumbianische Film als vielleicht dritter Oscar-Kandidat.

Natürlich seien seine Kontakte hilfreich, die er sich als Filmeinkäufer auf Festivals weltweit erarbeitet hatte, sagt Paul. Aber sie alleine nützten nichts: Die Kunst bestehe darin, die richtigen Projekte auszuwählen. Solche, deren Geschichte den Zuschauer berühren und Neues erzählen. Er und sein Partner verließen sich ganz auf ihren Instinkt. Aber mit den ehrenvollen Nominierungen und Auszeichnungen hätten natürlich auch sie nicht gerechnet.

Ihr Erfolg löste aber auch Diskussionen in der deutschen Filmbranche aus: Was sei denn nun ein deutscher Film? Wenn deutsche Schauspieler darin vorkommen und deutsche Themen behandelt werden? Oder gar nur, wenn deutsches Geld investiert würde?

Roman Paul hat da seine eigenen Ansichten. Vor allem ältere Menschen fühlten sich manchmal auf den Schlips getreten, wenn in einem Film nicht deutsch gesprochen werde, erzählt er. Aber das Klima ändere sich gerade. Die Jüngeren, die wie er internationaler aufgewachsen seien, seien da offener.

Die Frage, nach Hollywood zu gehen, stellt sich für Paul nicht mehr: Er hat dort gearbeitet und bewundert Leute, die ihre Ideen dort umsetzen, könne sich hier aber besser entwickeln – Berlin sei ein sensationell guter Ort zum Filmemachen. Die Filmförderung sei kompetent, die Stadt biete ein hohes künstlerisches und technisches Niveau. Filmleute aus der ganzen Welt kämen begeistert hierher – natürlich auch aufgrund des vor drei Jahren gegründeten Deutschen Filmförderfonds, der jährlich 60 Millionen Euro verteilt.

Das neueste Projekt, eine europäische Co-Produktion, bei dem Razor Hauptproduzent ist, wird gerade fertiggestellt. „Womb“ wurde in England entwickelt, von einem ungarischen Regisseur auf Englisch mit britischen und französischen Darstellern an der deutschen Nordseeküste gedreht – in der Hauptrolle das Bond-Girl Eva Green. Es sei also ein deutscher, französischer, englischer und auch ungarischer Film. Für Paul gibt es solche Kategorisierungen nicht. Der kolumbianische Film sei zugleich ein deutscher Film, weil er eben unter anderem mit Hilfe einer deutschen Produktionsfirma und deutschem Geld realisiert wird. Wichtig sei, ob ein Film gefällt.Edda Reiser

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