Kino : Dschungelbuch auf Berlinisch

Der Trickfilm "Kleiner Dodo" ist gerade im Kino angelaufen. Die Macher sitzen in Kreuzberg. Thilo Graf Rothkirch, der Schöpfer des kleinen Affen, ist inzwischen so erfolgreich, dass er gar nicht mehr selbst zum Zeichnen kommt.

Matthias Jekosch
Kleiner Dodo
Der "Kleine Dodo" beim Geigen. -Foto: Promo

Das Studio im fünften Stock der Höfe am Südstern ist derzeit ganz in Dschungeloptik eingerichtet. Filmplakate vom „Kleinen Dodo“ hängen an den Wänden, auch die Garderobe wird von einer Schiebetür in Regenwaldgrün verdeckt. Im Konferenzraum mit Blick über Kreuzberg wartet Thilo Graf Rothkirch. Er ist ein kleiner, schmaler Mann, der zufrieden wirkt mit dem, was er tut. „Ich habe Glück gehabt im Leben“, sagt er. „Und die Begabung, zeichnen zu können und in einem naiven Spiel etwas auszudrücken.“

Thilo Graf Rothkirch ist Gründer des Trickfilmstudios „Cartoon-Film“. Aus seinem Hause kommen Erfolgsfilme wie „Der kleine Eisbär“ und „Lauras Stern“. Und jetzt „Kleiner Dodo“. Der Streifen erzählt die Geschichte eines Orang- Utans, der im Regenwald eine Geige findet und dieses seltsame Instrument der Menschen beherrschen will. Seit gestern läuft der Film in den deutschen Kinos, er richtet sich an Kinder ab vier Jahren, neben der witzigen Handlung geht es aber auch um ein ernstes Thema: Der Regenwald trocknet aus, eine Folge des Klimawandels. „In allen unseren Filmen gehen wir auf den Klimawandel ein“, erzählt Rothkirch.

Der gelernte Grafiker ist inzwischen so erfolgreich mit seinen Produktionen, dass er gar nicht mehr dazu kommt, selbst den Zeichenstift zu führen. Die Figuren kreieren andere. Orang-Utan Dodo stammt von dem Autor Hans De Beer, ein Stab aus insgesamt 400 Mitarbeitern hat ihm Leben auf der Leinwand eingehaucht. Und Rothkirch? „Ich kontrolliere die Figuren.“ Manche Kritiker haben den Film im Vorfeld bereits mit dem Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“ verglichen. Die wichtigsten Kritiker sind aber seine beiden Töchter, sagt er, auch wenn die inzwischen elf und 13 Jahre alt sind und langsam der Zielgruppe seiner Filme entwachsen. Im Büro, das er sich mit seiner Frau Maya teilt, kann man sehen, dass „Cartoon- Film“ anscheinend vieles richtig macht. Der Deutsche Filmpreis 2005 für „Lauras Stern“ steht dort neben einem Publikumspreis aus China und anderen Trophäen. Rothkirch kam 1979 nach Berlin und produzierte vor allem fürs „Sandmännchen“ und die „Sendung mit der Maus“. 1999 kam der erste Film „Tobias Totz“ in die Kinos. Zusammen mit den Nachfolgefilmen löste das Berliner Studio etwas aus: „Das ist der Fluch der guten Tat. Danach wollten alle Familienunterhaltung machen“, sagt Rothkirch.

Der Studiochef will Filme für „Kinoeinsteiger und ihre Eltern“ machen. Doch der Markt ist begrenzt, und der deutsche sei in dieser Zielgruppe bis zum Rand voll. Deswegen kommt im Sommer als nächstes Projekt die deutsch-chinesische Koproduktion „Lauras Stern in China“ heraus, um auch andere Märkte zu erobern. Der Film wird in 3D sein.

Anders als die Erfolgsanimationsfilme aus den USA setzt Rothkirch aber weiterhin vor allem auf die konventionelle Darstellung. „Wir glauben an den Charme von 2D.“ Nachdem das 3D-Abenteuer „Ratatouille“ anlief, in dem eine Ratte die Hauptrolle hat, verkauften Berliner Zoohandlungen weit mehr Ratten als sonst. Wenn der 2D-Charme ähnliche Effekte hat, werden Berliner Wohnungen bald voll von Stofftieraffen und Geigen sein. Matthias Jekosch

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