Kino im Keller : Völlig abgedreht

Ein schnödes Heimkino mit Chips und Wohnzimmercouch? Das hat doch jeder. Jörg Maske baute sich seinen „Palast“ – mit 18 Sesseln und Filmprojektor.

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Der Vorführer. Seit 1990 zeigt Jörg Maske in seinem kleinen Kellerraum mit dem roten Samtteppich und den drei nummerierten Sitzreihen etwa alle zwei Wochen einen Film. Allerdings stets nur für Freunde.
Der Vorführer. Seit 1990 zeigt Jörg Maske in seinem kleinen Kellerraum mit dem roten Samtteppich und den drei nummerierten...Foto: Thilo Rückeis

Als Jörg Maske acht Jahre alt ist, bastelt er aus ein paar Hölzern, blauen Wollfäden und einem Legostein ein winziges Kino. Sogar eine Kurbel hat es. Mit ihr kann der Junge aus Nikolassee eine kleine Filmrolle aus Papier über die Leinwand laufen lassen, auf die er mit Bleistift Disney-Szenen kopiert hat.

1986, gut zehn Jahre später, baut Maske wieder ein Kino. Diesmal mit größerem Aufwand: Er entrümpelt den Reihenhauskeller seiner Eltern in der Spanischen Allee, bestückt ihn mit einem Bildwerferraum und einer Leinwand samt Goldvorhang von seiner Urgroßmutter und ist endlich am Ziel seiner Wünsche angelangt: einen Raum zu haben, in dem er seine Leidenschaft für Schmalfilme und seine Liebe für das „echte Kino“ pflegen kann. In den folgenden Jahren feilt Maske weiter an seinem Privatkino: Unter anderem restauriert er 18 Sessel aus den ehemaligen Ili-Lichtspielen in Neukölln und sorgt für klaren Dolby-Stereo-Ton und Cinemascope-taugliche Filmprojektoren. 1990 eröffnet er dann seinen „Jörg-Palast“, der in diesen Tagen sein 20-jähriges Jubiläum feiert.

Seitdem wird in dem kleinen Kellerraum mit dem roten Samtteppich und den drei nummerierten Sitzreihen etwa alle zwei Wochen ein Film im Schmalformat gezeigt. Allerdings stets nur für Verwandte, Freunde und Bekannte, zu denen gelegentlich auch „The Voice“, Synchronsprecher Christian Brückner, mit seinem Sohn Timm aus dem nahen Schlachtensee gehören. Die selbst gedruckten Eintrittskarten bekommen die Gäste nicht gegen Geld, sie gehören bloß zum „KinoSpielen“ dazu. Ebenso wie die neben der Kellertreppe aufgehängten Filmposter von „Pocahontas“ und „Die Reise ins Ich“, die auf kommende Vorstellungen verweisen. Und wie die Kino-Uniform im Stil der 60er, die Maske vor jeder Vorstellung anzieht, um seinen Freunden hinter einer kleinen Theke ein Eis oder etwas zu trinken anzubieten.

Er feiert jetzt sein 20-jähriges Jubiläum in Nikolassee

Nach dem Einlass verschwindet der 43-Jährige recht bald in seinem Bildwerferraum und lässt den klassischen Dreiklang des Jörg-Palasts ertönen. Diesen Gong hat Maske einst vom ehemaligen Betreiber des Cinema an der Bundesallee in Steglitz geschenkt bekommen. Nachdem der Gong ertönt ist, öffnet sich der goldfarbene Vorhang mittels eines verborgenen Mechanismus, der wie so vieles hier seine eigene Geschichte hat: Ursprünglich gehörte der kleine Motor in die Brotschneidemaschine von Maskes Eltern. Doch da sie die Maschine so gut wie nie benutzten, hat ihr damals 19-jähriger Sohn diese kurzerhand zweckentfremdet. Seitdem wird das Brot im Hause Maske per Hand geschnitten.

Nach Kino-Werbung aus den 70ern und einem Vorfilm läuft der Hauptfilm an, meist in Originalfassung. Maske zeigt Klassiker wie „Casablanca“ oder „Manche mögen’s heiß“ genauso gern wie die „Star Wars“-Trilogie, alte Musical- oder Disney-Filme. Was fasziniert ihn so an den Formaten in Super-8 und 16 Millimeter? „Ein Film muss von der Rolle kommen, ich möchte echtes Filmkorn sehen und das Rattern der Projektoren hören. Nur das, nicht die sterile DVD oder gar Blu-Ray, bedeutet für mich Kinogenuss.“

Immer wieder stöbert der zweifache Familienvater, der auch beruflich als Mitarbeiter der Berliner Yorck-Gruppe mit Kino zu tun hat, im Internet und auf Börsen, um seiner Sammlung von 60 Schmalfilmen weitere hinzuzufügen. Lange schon sucht er „The Third Man“ von 1949 auf 16 Millimeter. Am liebsten allerdings hätte Maske silberfarbene Filmdosen mit dem Namen Jacques Tati. Aber die Monsieur-Hulot-Filme des 1982 verstorbenen Franzosen sind unter Schmalfilm-Sammlern so begehrt, dass sie fast nie auf dem Markt auftauchen. Maskes Gäste scheint dieser spezielle Mangel nicht zu stören: In seinen Gästebüchern steht viel Lob. „Das schönste Kino der Welt“, schreibt eine. Und ein anderer urteilt knapp: „Prädikat besonders wertvoll“.

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