Kino : Piraten mit Mikrofon

Auf der Spree kreuzt dieser Tage ein ungewöhnliches Boot, der "kürzeste schwimmende Radiosender aller Zeiten". Das Gefährt macht Werbung für den Film "Radio Rock Revolution" mit Philip Seymour Hoffman, und sorgt für Verwunderung bei den Passanten.

Eva Kalwa
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Auf großer Fahrt. Ein paar Tage lang macht dieses Schiff die Berliner Gewässer unsicher. Foto: Uwe Steinert

BerlinUnten im Bug singen die Musiker, im Heck sitzen einige schick gestylte Privatgäste, Kapitän Klaus Seidel steuert das Schiff kurzzeitig mit einem Fuß und mittendrin springt Chris Guse von den Dukes mit einem Mikro herum und moderiert die muntere Spree-Tour: „Radio Rock Revolution 88.4 FM“ steht auf dem Rumpf des über 80 Jahre alten, in Tarnfarbe gestrichenen Kreuzers, der bis morgen mit wechselnden Künstlern die Spreeufer und die Berliner Radiolandschaft bespielt.

Der Kreuzer und zugleich „kürzeste schwimmende Radiosender aller Zeiten“ wirbt für den Film „Radio Rock Revolution“, der am 16. April in die Kinos kommt. An reale Vorbilder angelehnt, erzählt der Film die Geschichte eines englischen Piratensenders auf einem Schiff in der Nordsee im Jahr 1966. Damals erlaubte die staatlich finanzierte BBC Rock’n’Roll im Radio nur für zwei Stunden pro Woche, was dazu führte, dass viele illegale Stationen on air gingen, um die verpönte Musik zu spielen. Am Mikrofon bei „Radio Rock Revolution“ sitzt „The Count“, ein fanatischer Rockfan und Gott des Äthers, den Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman spielt. Auch Hoffman, Regisseur Richard Curtis („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“) und weitere Schauspieler werden morgen Nachmittag Radio auf der Spree machen und singen, auflegen oder moderieren.

Gestern fuhr der rund 15 Meter lange Kreuzer bei etwas Wind und Sonne gemütlich vom Radialsystem die Spree hinunter zum Regierungsviertel. Gäste an Bord waren der Musiker Dirk Darmstädter („Jeremy Days“) aus Hamburg sowie Sänger Tim Neuhaus und die Band Dukes aus Berlin. Chris, der bei den Dukes singt und Gitarre spielt, übt sich erstmals als Radiomoderator und macht seine Sache mit frechen Sprüchen und aberwitzigen Kommentaren zum Geschehen auf Wasser und Schiff großartig, ein echtes Naturtalent: „Ich versuche das zu erklären: Der Käpt’n stellt sich quer, und wir müssen zurück in die BND-Zelle!“, ruft er beim Wenden kurz hinter dem Reichstag den Spaziergängern und Absolventen des Halbmarathons am Ufer zu, die daraufhin das Manöver nicht nur wegen der lauten Rockmusik aus den Schiffslautsprechern voller Interesse beobachten. „Achtung, eine wichtige Durchsage: Hört Radio auf 88.4!“, empfiehlt Chris zwei Kilometer weiter den verdutzt und müde dreinblickenden letzten Tänzern einer kleinen Technoparty am Ufer.

„Ich finde es klasse, dass wir mit dieser Aktion auch ein wenig auf die deutsche Radiolandschaft aufmerksam machen“, sagt Darmstädter, der gerade ein paar Gitarrensongs von seinem neuen Album in dem kleinen, improvisierten Radio-Studio im Schiffsbug gespielt hat. Das Medium habe doch große Probleme, in Hamburg höre man fast immer den gleichen alten Mainstream auf allen Sendern. In Berlin sei das vielleicht noch ein wenig anders: „Wenn ich hier in der Stadt bin, höre ich am liebsten Motor FM oder Radio Fritz.“

Das Programm läuft bis zur Nacht zu Mittwoch auf UKW 88.4, im Internet auf www.tinyurl.com/RRR884 und unter http://twitter.com/RRR884.

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