Kino : Wünsch dir was

Der Kultmärchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kehrt am Nikolaustag wieder ins Kino zurück.

Andreas Conrad

Für Thailand-Reisende mit Vorliebe für Agentenfilme ist die James-Bond-Insel bei Phuket ein Muss. In „Der Mann mit dem goldenen Colt“ diente sie als Hauptquartier des Bösewichts. Monument Valley, an der Grenze zwischen Utah und Arizona, lässt die Herzen der Westernfans schneller schlagen. Die Anhänger des Märchenfilms aber zieht es zum Barockschloss Moritzburg bei Meißen, einem der Hauptdrehorte von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Seit Oktober gibt es dort sogar eine sehr gut besuchte Ausstellung über den 1972/73 als Kooperation der Babelsberger Defa- und der Prager Barrandov-Studios entstandenen Film. Erst am Freitag voriger Woche konnte als 50 000. Besucherin ein achtjähriges Mädchen aus dem brandenburgischen Sallgast begrüßt werden. Der Film genießt eben längst Kultstatus, nicht nur unter Zuschauern aus der ehemaligen DDR.

Der nachhaltige Glanz wird an diesem Wochenende auch in Berlin mit Hingabe poliert, im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, wo der von Regisseur Václav Vorlícek gedrehte Film am 8. März 1974 deutsche Premiere hatte. Gemeinsam mit dem Progress-Filmverleih lädt das Kino am heutigen Nikolaustag zu einer großen Familienveranstaltung, in deren Mittelpunkt der Film steht. Viele kennen ihn nur noch im Fernsehformat, auf der 13 mal 7 Meter großen Leinwand kommt er nun endlich wieder zur vollen Geltung. Um die Vorführung gruppiert sich das Rahmenprogramm samt Märchenerzählerin, Filmquiz, gemalten Filmbildern, Kostümtanz und der Sängerin Carinha, die den Titelsong vorträgt.

Der Film war nach dem gleichnamigen Märchen von Bozena Nemcová entstanden, die das Grimmsche Märchen vom Aschenputtel variierte und dabei drei magische Haselnüsse hinzufügte, die der von Libuše Šafránová gespielten Titelfigur eine Jägertracht, ein Ballkleid und ein Hochzeitsgewand bescheren. Es ist ein Winterfilm und damit für Aufführungen im Umfeld des Weihnachtsfests bestens geeignet, was einen sehr trivialen Hintergrund hat: Die Defa bestand auf diesem Drehtermin, denn da waren noch Kapazitäten frei. Bei den Außenaufnahmen um Schloss Moritzburg und in der Tschechoslowakei gab es aber erst zu wenig, dann zu viel Schnee. Berlin steuerte das Personal für einige Hauptrollen bei, Rolf Hoppe und Karin Lesch als König und Königin sowie Carola Braunbock als böse Stiefmutter. Der Ball im Schloss wurde in Babelsberg gedreht, beteiligt war das Ensemble des DDR-Fernsehballetts.

Bereits kurz nach der Ost-Berliner Premiere kam der Film auch im Westen an, wurde zu Weihnachten 1975 in der ARD gezeigt. Mittlerweile ist der anhaltende Erfolg von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ längst ein gesamtdeutsches Phänomen. Andreas Conrad

Babylon, Rosa-Luxemburg-Platz, heute, 14.30 Uhr. Weitere Vorführungen ohne Rahmenprogramm am 7. Dezember, 17.30 Uhr, sowie am 12./13. Dezember, 15 Uhr. Ab 24. Dezember ist der Film im Union Filmtheater, Bölschestraße 69 in Friedrichshagen, zu sehen. Die Ausstellung in Schloss Moritzburg läuft bis 10. Januar.

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