Kladow : Yoga-Fans meditieren und singen an der Havel

Am Wochenende wurde Kladow zur Pilgerstätte für Yoga-Anhänger. Prominente Gurus campten im Park. Über allem lag der Geruch von Räucherstäbchen.

Daniela Martens

BerlinDie Gegensätze haben sich noch nicht getroffen, dabei sind sie nur ein paar 100 Meter voneinander entfernt. „Ein Yogafestival mit 5000 Leuten? Hier in Kladow, echt?“, fragt ein Mädchen ungläubig. Sie hängt mit einer Gruppe Vorstadt-Teenagern im Ortskern an der Bushaltestelle herum, schließlich ist Wochenende: Tätowierte Sterne am Hals, nabelfreie enge Tops, Jeans, deren Hinterteil kurz über den Knien hängt. Ungläubige Gesichter. Mit Mantren, Meditation und Mond-Rhythmus haben alle hier nichts am Hut: „Ich hab’ den schwarzen Gürtel in Yoga, Alter“, kräht ein Junge mit millimeterkurz geschorenen Haaren.

Gleich um die Ecke, im Gutspark Neukladow am Havelufer, würde er mit solchen Sätzen ziemlich auffallen. Hier ist das dreitägige Yogafestival in vollem Gang – laut Veranstalter das „größte Treffen dieser Art in Deutschland“: Von Freitag bis Sonntag ist der Park voll von Turbanen, lila Leinenhosen, langen Dreadlocks, orangefarbenen und weißen bodenlangen Gewändern, brustlangen Bärten. Über allem liegt der intensive Geruch von Räucherstäbchen. An Marktständen gibt es indische Gewänder zu kaufen, auf der Terrasse des Gutshauses „Nagelmatten“.

Bis ins Ortszentrum von Kladow riecht man die Räucherstäbchen aber nicht. Auch die Turbane bleiben eher unter sich im Park. Ein Shuttlebus biegt schon vor dem Ort in die Auffahrt zum Gut ein. Die Fähre aus Wannsee nehmen eher die unauffälligeren Besucher, die nur an der zusammengerollten Yogamatte unterm Arm zu erkennen sind. Viele zelten im Park. Die prominenten Gurus übernachten in Campingmobilen. Englische, spanische, französische Sprachfetzen wehen durch den Park. Und ein bisschen Hindi. Mittelpunkt des Ganzen sind die Wiesen vor dem Gutshaus, mit Blick auf Wannsee und Havel. Jivamukti Yoga, Yoga im Mondrhythmus, Yang Spiral Meditation heißen die Veranstaltungen.

Soeben recken sich jede Menge Hintern von den Yogamatten in den Himmel. Dann strecken sich Füße beim Kopfstand in die Höhe, manche strampeln nur auf halbem Weg nach oben wie verzweifelte Fahrradfahrer an der Steigung. Schließlich fallen alle vornüber. Es sieht aus, als würden sie den Wannsee anbeten. Oder jenen jungen Mann mit dem Mikrofon, der über Macht, Frieden und die „Energie eures Atems“ spricht. Eine zierliche junge Frau liegt auf dem Rücken, reckt die Bein in die Luft. Ihre nackten Füße stemmen sich in den Rücken eines Mannes, der waagerecht in der Luft „schwebt“. An seinen Händen und Füßen zerren zwei andere Yogafreunde. Es sieht aus, als liege er auf einer unsichtbaren Streckbank. Im großen weißen Zelt gleich daneben sitzt ein Guru ganz in weiß zwischen brennenden Kerzen und „predigt“ in singendem, indisch gefärbtem Englisch: „Du kannst jedem Weg folgen.“

Bernds Weg hat ihn aus Mannheim nach Kladow geführt. Der 47-jährige Software-Entwickler isst gerade indisches Ayurveda-Gemüse und erzählt, er sei hier, um „innere Anspannungen zu lösen“. Und wegen der Musik, der „Mantren“, bei denen das Publikum mitsingt: „Das ist ergreifend und herzöffnend.“ Vielleicht deshalb bleibt alles auch dann so idyllisch, als sich die Gegensätze doch noch treffen: Ein paar von den Kladower Jugendlichen seien irgendwann im Park aufgetaucht, um dort wie „üblich zu rauchen und zu trinken“, sagt Veranstalterin Miriam Kretzschmar. „Die haben ganz schön verwundert geguckt.“

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