Klangarchitekt sucht Kiezsound : Stadtplaner fängt Berlins Geräuschkulissen ein

US-Student Yukio Van Maren King zieht derzeit Tag und Nacht mit dem Mikrofon durch Berlin. Er will der Wirkung des Klanges auf die Spur kommen.

Torsten Hilscher[ddp]
Klangarchitekt
Auf der Suche nach der Klangidentität Berlins. -Foto: ddp

BerlinDer 26-jährige Amerikaner ist an der Universität der Künste (UdK) im Masterstudiengang Sound Studies eingetragen. "Mir geht es um die Klangidentität einer Stadt", sagt er. "Was ist typisch, was einmalig, was beliebt und unangenehm." Großes Ziel sei die Erkundung der Wechselwirkung zwischen dem gebauten urbanen Raum und dessen Sound. Dafür absolvierte King im Vorfeld ein Studium der Stadtentwicklung. Schließlich bilde gebauter Raum neben Geräuschen die Hülle unseres Alltags.

Diese Hüllen können nicht nur zueinander unstimmig sein, sondern sogar jede für sich stören, weiß King. Gerade bei Klängen, die immer subjektiv empfunden werden, führe das oft zu "falschen" oder zumindest nicht gewünschten Eindrücken. Schon heute tüfteln Experten an satt zuklappenden Autotüren oder animierender Kaufhausmusik.

Effekte, die uns verändern

King will mit seinem Forschungsprojekt UrbanSoundmarks auch öffentlichen Gebäuden und Plätzen einen spezifischen Klang verpassen. "Als ich meine ersten Stadtaufnahmen auswertete, kam nur Klangbrei heraus. Erst das Hervorheben einzelner Töne oder Geräusche brachte gewünschte Effekte", erklärt King. Effekte, die nicht nur ganze Räume verändern, sondern vor allem die Haltung der Menschen zum Aufenthaltsort. Man ändert seine Stimmung.

Kings zweites Forschungsprojekt sind Kiezklänge. Bis März 2008 will er für seine Masterarbeit herausfinden, wie Menschen ihr tägliches Umfeld wahrnehmen. Schließlich stellt der Kiez die wahre Heimat der Berliner dar. King erfragt und erhört sich Plätze, Straßen und Hinterhöfe. "Nicht alles was städtisch ist, stört die Menschen", hat er erkannt. "Bestimmte Straßengeräusche, die wiederum durch bestimmte Beläge hervorgerufen werden, identifizieren viele mit ,ihrem' Zuhause."

www.berlincast.com

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