Klaus Hoffmann : Verfluchtes, geliebtes Berlin

Lieder über das Leben und die Liebe und irgendwie auch immer über die eigene Biografie: Klaus Hoffmann singt im Friedrichstadtpalast.

Anne-Sophie Lang
Klaus Hoffmann.
Klaus Hoffmann.Foto: dpa

Klaus Hoffmanns Idol, der Chansonnier Jacques Brel, wurde nicht alt. Charles Aznavour gefiel Hoffmann erst richtig gut, als er ihn mit über 80 Jahren singen hörte. „Wie altern Sänger?“, wollte Hoffmann wissen und probiert es an sich selbst aus. Der Berliner wird im nächsten Jahr 60, aber sein Drang, sich über Lieder mitzuteilen, ist ungebrochen. Er singt über das Leben und die Liebe und irgendwie auch immer über die eigene Biografie. Außen- und Innenlieder nennt er seine Stücke je nach Perspektive, und inzwischen auch Erinnerungslieder.

„Das süße Leben“ heißt die neue CD des Liedermachers, der in Kladow wohnt. Am 15. November präsentiert er es im Friedrichstadtpalast, eine von 18 Tourneestationen. Um Hoffmann wird es so schnell nicht ruhig werden. „Ich leb’ ja nur in Texten“, sagt er. Sie drehen sich um Berlin, um die Stadt, von der Hoffmann sagt, er habe sie oft verflucht, aber liebe sie doch. „Verkauf dich nicht, Berlin. Jung bist du nicht, du alterst so schnell.“ Das sang er schon 1980.

„Nostalgisch und besoffen“ sei Berlin, sagt Hoffmann heute, „eine gebeutelte Stadt“. 1968, als der damals 17-Jährige mit seiner Mutter in Zehlendorf lebte, war Berlin vor allem eine Stadt, deren kleinbürgerlicher Enge er entfliehen wollte. Hoffmann haute nach Afghanistan ab, „raus, um glücklich zu werden“, sagt er, „zum Glück hat es nicht funktioniert“. Als er draußen war, sehnte er sich nach Berlin und kam nach einem halben Jahr zurück. Hoffmann trat in den Clubs Charlottenburgs auf, sang Knef und eigene Lieder, bald in größeren Sälen, wurde Schauspieler. Seine Hauptrolle in der Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ im Jahr 1976 war der Durchbruch.

Heute sagt der Künstler, er sei dreigeteilt: der Sänger, der Schauspieler und der Autor. Letzterer veröffentlichte 2001 den Roman „Afghana“, schreibt gerade am zweiten – „Phillip und die Frauen“ soll im Februar erscheinen – und plant eine Autobiografie. Aber zunächst steht der Sänger mit „Das süße Leben“ im Vordergrund. Ist es denn süß, das Leben? Hoffmann zögert keine Sekunde. „Auch wenn ich es oft nicht glaube: Es ist schön und es ist wichtig, dass man das erzählt.“ Das erste Lied der CD heißt denn auch „Das Leben ist schön“: „Sonnenlicht liegt warm auf auf alten Straßen. Tauben gurren, aus den Fenstern riecht’s nach Zimt.“

Hoffmann singt das mit jener gefühlvollen Stimme, für die ihn seine Fans lieben. Seinetwegen, sagt er, kann man ihn dafür auch in die Schlager-Ecke stecken. An politischen Botschaften war dem Liedermacher nie gelegen. „Dieses 60er-Jahre- Nein hat mich immer angekotzt.“ Und das Berlin der 60er und 70er vermisse er auch nicht. Im Vergleich sei die Stadt, wie sie heute ist, „eine Aufputschtablette“. So oder so – Berlin, seiner großen Liebe, würde der Liedermacher gerne noch eine neue Platte widmen. Und damit vielleicht der Erkenntnis, wie Sänger altern, noch ein Stückchen näherkommen.

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