Stadtleben : Kleine Räder, große Sprünge

Im Velodrom trifft sich die Elite der BMX- und Skateboardfahrer. Es geht um 100 000 Euro Preisgelder

Ute Zauft

Durch die Halle wummern Hip-Hop- Bässe, der Geruch von Sägespänen liegt in der Luft. Auf einer drei Meter hohen Rampe stehen Jungs mit ihren Skateboards: Das eine Ende unter den Fuß geklemmt, lassen sie es auf das Sperrholz knallen und rasen bergab. BMX- und Skateboardfahrer aus der ganzen Welt rollen seit gestern im Velodrom über Rampen, Schanzen und Kanten aus frisch gesägten Sperrholzplatten. Im Hintergrund ragt eine sechs Meter hohe Halfpipe bis auf die Höhe der Zuschauerränge. Es ist einer von rund zehn Skateboarding World Cups, der einzige in Deutschland.

Die Sportler tragen Baseballmützen, Skater-Turnschuhe und Jeans, die oben weit sind und unten wieder enger werden. Zum Aufwärmen fahren sie mit ihren Skateboards und den niedrigen BMX-Fahrrädern kreuz und quer durch die Sporthalle an der Landsberger Allee. Es gibt zwei Disziplinen: „Street“ und „Vert“. Will heißen: Mit Skateboard oder BMX durch die riesige Halfpipe rollen oder durch den Straßenparcours mit Schanzen und Rampen rasen.

„Nohands“, „flips“, „flairs“. Das alles haben die Jungs drauf. Damit auch das Publikum mitkommt, erklärt ein Sportmoderator die Tricks. In jeder Disziplin treten 14 Straßensportler in Zweierpärchen gegeneinander an. Die fünfköpfige Jury entscheidet nach dem K.-o.-Prinzip. Es geht um insgesamt 100 000 Dollar Preisgeld. Wenn Tobias Wicke (25) auf seinem Rad sitzt, hat er die Knie fast unterm Kinn. Der Sattel sitzt tief, so auch die Jeans, unter der die Boxershorts zu sehen sind. Im Stehen tritt der Berliner in die Pedale und holt Schwung. Er rast von der Rampe auf die schanzenartige „jump box“ zu, scheint kurz in der Luft stillzustehen und kommt dann mit dem Hinterrad auf. „Adrenalin“, das ist es, was ihn am BMXen reizt. Herzrasen vor der Rampe und ein Adrenalin-Kick danach, wenn der Trick geklappt hat. In der Luft zu stehen ist noch die leichteste Übung, Saltos sind die wahre Kunst.

„Er ist eine echte Kante“, sagt Lars-Oliver Vogt über Wicke. Vogt ist der Organisator des von T-Mobile gesponserten Spielplatzes („Extreme Playgrounds“), auf dem der Wettbewerb stattfindet. Der junge Berliner ist für ihn der Favorit auf dem BMX im Straßenparcours. Welche Kür er genau fährt, überlegt dieser sich allerdings erst kurz vor seinem 60-sekündigen „Run“. „Tailwhip“ heißt es, wenn er auf dem Vorderrad steht und das Rad einmal um den Lenker schwingt, als ob ein Hund mit dem Schwanz wedelt.

Wicke nimmt fast jedes Wochenende an einem „Contest“ teil, und zwar auf der ganzen Welt. Dort kennt man sich: Es gibt nicht viele, die auf internationalem Niveau um die Wette BMXen. In den Jurys sitzen dann die alten Hasen, die früher durch die Halfpipes gerast sind. Vor zwölf Jahren hat er auf einem Parcours in Marzahn angefangen, seit drei Jahren kann er von den Sponsoren- und den Preisgeldern leben.

Alex (21) zieht der „Lifestyle“ an. Er ist einer von den Nichtprofis, die sich im Qualifying gegen ihre Konkurrenten durchsetzen müssen. Mit „Lifestyle“ meint er aber nicht unbedingt Klamotten oder Musik, sondern: „Die Leute sind einfach lässig.“ Lotz übt dort, wo auch Wicke angefangen hat, allerdings auf dem Skateboard. Zwischen den Wettbewerben gibt’s Musik, und zwar für alle, die es hart mögen: Erst Punkrock von „Orange But Green“ und den „Spermbirds“ und zum Abschluss die walisische Metalband „Bullet For My Valentine“. „Das Beste bei solchen Events ist aber immer die Party danach“, meint BMXler Wicke.

Musik und Wettbewerb gibt es heute von 12.30 bis 22 Uhr im Velodrom an der S-Bahn-Station Landsberger Allee. Eintritt 19 Euro; Informationen im Internet unter www.extreme-playgrounds.de

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