Stadtleben : Köpenick blüht auf Verspätung bei Schinkels Bauakademie

Ideengeber des Treptower Badeschiffs bringen Kunst in den Südosten Der Wiederaufbau soll nun in drei Jahren starten

Christiane Bertelsmann

Ein Netz, so groß, dass eine Schulklasse darin Platz findet. Gehalten von Stahlträgern, spannt es sich von Brandmauer zu Brandmauer in einer Baulücke mitten in der Altstadt Köpenicks. Die Idee stammt von den niederländischen Architekten NL Architects und wird gerade in Zusammenarbeit mit dem Verein Stadtkunstprojekte realisiert, auf den wiederum das Treptower Badeschiff zurückgeht. Das Netz ist multifunktional: Picknicken kann man darin, spielen, hüpfen und über die Straße bis rüber aufs Wasser schauen. Oder, wenn sich ein Betreiber findet, würde aus dem Netz der Zuschauerraum für ein Freiluftkino. Den Film könnte man auf eine der Brandmauern projizieren.

Das Netz ist wohl das Spektakulärste der vier Kunst- und Architekturprojekte, die derzeit in der Altstadt Köpenick aufgebaut werden. Am Sonnabend wird Eröffnungsfest von KAiAK – Kunst und Architektur in Alt-Köpenick – gefeiert.

„Land und Bezirk haben uns gefragt, ob wir die Baubrachen in der Altstadt gestalten könnten“, sagt Barbara Höffer, die künstlerische Leiterin des Projektes. denn zwischen den frisch sanierten Häusern gibt es jede Menge freier Grundstücke, die vielfach als Parkplätze genutzt werden. Sie werden jetzt umgestaltet, die Stellflächen bleiben aber erhalten – sonst hätten die Händler in der Altstadt protestiert. Einer der Parkplätze ist signalrot gestrichen worden. In der Mitte steht ein großer roter Sonnenschirm. Seine Spitze ragt so hoch auf wie die Dachrinnen der Nachbarhäuser. Ist der Schirm geöffnet, ist Markt. Ist er zugeklappt, kann geparkt werden. Jetzt fehlt nur noch ein Marktbetreiber.

Aus Baulücken sind Gärten geworden. Im sogenannten Lichtgarten reifen Kürbisse, in den Beeten blühen Cosmeen, Kapuzinerkresse und Margeriten. Das Köpenicker Schlossplatztheater plant hier Lesungen und Aufführungen.

„Wir haben viele Ideen gemeinsam mit den Anwohnern ausgedacht“, sagt Barbara Höffer. Dieses Prinzip wurde auch beim Badeschiff angewandt. Auf einen ähnlichen Erfolg wie mit dem Bassin hofft man nun auch in Köpenick, nicht zuletzt, um neue Besucherschichten anzulocken. Bislang interessieren sich die meisten nur fürs Schloss und den Hauptmann von Köpenick – mit Netz, Marktplatz und Gärten könnte das anders werden. Im Herbst kommt noch mehr Kunst in die Altstadt: Eine Künstlergruppe will zwei überlebensgroße Bronzegüsse von historischen Pferdestatuen auf dem Schlossplatz aufstellen. Christiane Bertelsmann

Eröffnung von KAiAK am Sonnabend, den 25. August um 15 Uhr, Infos im Internet unter www.stadtkunstprojekte.de

Die Wiederaufbaupläne für die Schinkel- sche Bauakademie am Auswärtigen Amt waren wohl etwas zu ehrgeizig. Erst sollte der in den 1960er Jahren abgerissene Backsteinkubus schon Ende 2006 stehen. Vor zwei Jahren war der Präsident des Vereins Internationale Bauakademie Berlin, Hans Kollhoff, noch optimistisch, 2007 mit dem Bau beginnen zu können. Jetzt gibt sich Kollhoff noch vorsichtiger: „In den nächsten drei Jahren wollen wir anfangen“, sagte er am Mittwoch zur Eröffnung einer Ausstellung im sogenannten roten Saal, einem Musterraum hinter der Schaufassade aus Plastik.

Als Grund für die Verzögerung nannte Kollhoff die Schwierigkeiten, Sponsoren zu finden, die bereit sind, in „dieser Größenordnung“ den Wiederaufbau zu bezuschussen. Das Land hat das Grundstück gratis zur Verfügung gestellt, den Bau müssen Kollhoff und die Seinen alleine stemmen. Auf 15 bis 20 Millionen Euro schätzt er die Baukosten. Vor acht Jahren waren noch 50 Millionen veranschlagt, 2005 war von 25 Millionen die Rede. Nun soll auf den Bau eines Kellers verzichtet werden. Ins Erdgeschoss werden wohl Läden einziehen. Kollhoff: „Anders bekommen wir den Bau nicht finanziert.“

Die Suche nach Geldgebern hat nun zum Stromkonzern Vattenfall geführt, der das Projekt in den kommenden drei Jahren mit einer sechsstelligen Summe bezuschussen will. Diese Unterstützung ermöglicht es immerhin, dass nun dauerhaft Veranstaltungen und Ausstellungen in dem bisher ungeheizten Musterraum hinter der Schaufassade stattfinden können. Zusätzlichen Schub erhoffen sich die Mitglieder der Bauakademie durch den Bau des Humboldt-Forums und privater Projekte, wie der Errichtung der Hauptstadtrepräsentanz von Thyssen-Krupp vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude. Matthias Oloew

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