Kolumne Partygänger : Kim in Berlin

Draußen legt sich die Nacht über Berlin, drinnen kondensiert die Hitze der Party an den Fensterscheiben. Ist man hier richtig? Ist das tatsächlich das „Kim in Berlin“? Man ist sich nicht sicher, denn an der Tür hängt kein Schild, kein Hinweis.

Nana Heymann
314875_0_aa69813d.jpg
David Heerde

Und Orte wie diesen gibt es in der Gegend rund um den Rosenthaler Platz einige: Spartanisch eingerichtete Läden, in denen Dutzende schöne Menschen auf engstem Raum beisammenstehen, sich an ihren Getränken festhalten und an dem Versuch eines Gesprächs scheitern, weil die elektronischen Beats jedes Wort, jeden Laut mit Vehemenz ersticken.

Was tagsüber aussieht wie ein Laden kurz nach der Geschäftsaufgabe, verwandelt sich abends in einen Hotspot für Mitte-Hipster. Der Raum bietet dafür den richtigen Rahmen. Hier lenkt nichts ab von der Frau mit den glänzenden Leggings und der paillettenbestickten Tunika, hier kommt der Endzwanziger mit der engen Jeans und der wilden Gesichtsbehaarung voll zur Geltung. Warum? Weil Boden, Wände, Decke, Tanzfläche weiß sind. Eine Art leere Leinwand, die sich im Laufe der Nacht mit Farben und Figuren füllt. Im hinteren Teil des knapp 60 Quadratmeter großen Raumes führt eine Wendeltreppe auf eine Empore: eine Bühne für all diejenigen, die sich gern von der tanzenden Masse abheben wollen.

Seit fast drei Jahren gibt es das „Kim“. Zuvor befand sich an seiner Stelle ein Café mit Baumarkt-Charme, das trotz auffälliger Neonröhren im Schaufenster kaum beachtet wurde, oder vielleicht gerade deshalb. Nur gelegentlich fanden hier Partys statt, die das Potenzial des Ortes erahnen ließen. Und so kam es, dass einer der Veranstalter mit drei weiteren Freunden beschloss, dem Laden zu einer neuen Identität zu verhelfen, in neuer Optik und unter neuen Vorzeichen. Das alte Mobiliar wurde entsorgt, neues, bis auf eine Bar, gar nicht erst angeschafft. Wodurch die außergewöhnliche Architektur des Raumes mit der Erhebung zur Straßenseite hin erst zur Geltung kommt.

Man habe einen Ort schaffen wollen, der offen ist für Inspirationen, sagen die Macher. Und so erfindet sich das „Kim“ Abend für Abend neu. Dank seiner Gäste. Dank der DJs, die hier auflegen. Dank wechselnder Beleuchtung. All das lässt den Raum in immer neuen Farben schillern. Und deshalb macht es auch Sinn, dass sich von außen kein Hinweis auf die Identität der Bar findet – man habe dem Ort kein Siegel aufdrücken wollen, sagen die Betreiber. Herumgesprochen hat sich seine Existenz mittlerweile trotzdem: Unter die Mitte-Hipster mischen sich neuerdings immer mehr Touristen. Nana Heymann

Kim in Berlin, Brunnenstraße 10, Mitte. Täglich ab 21 Uhr geöffnet, nur dienstags bleibt das Kim geschlossen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben