Konzert : Die Band "Club der toten Dichter" spielt im Admiralspalast

Rilke wird Pop: Die ehemalige Rainbirds-Sängerin Katharina Franck gibt als Frontfrau der "Toten Dichter" Rilke-Vertonungen zum Besten. Am Donnerstagabend sind sie live zu hören.

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"Der Club der toten Dichter" mit der früheren Rainbirds-Sängerin Katharina Franck
"Der Club der toten Dichter" mit der früheren Rainbirds-Sängerin Katharina FranckFoto: promo

Club der toten Dichter? Klar. Das ist dieser Hollywood-Film von Peter Weir mit Robin Williams als Lehrer und einem Haufen Internatszöglinge, die für Dichter schwärmen. Stimmt, aber nicht nur.

Es ist auch das Bandprojekt von Reinhardt Repke, der am heutigen Donnerstag mit Frontfrau Katharina Franck, ehemals Kopf der Rainbirds, Schlagzeuger Tim Lorenz, Keyboarder Andreas Sperling und Bassist Markus Runzheimer im Admiralspalast spielt.

Repke ist 47, gebürtiger Berliner und schon lange im Showgeschäft, etwa als Bassist und Gitarrist der Band Rockhaus oder als Theatermusiker von Armin Petras. Auf die toten Dichter kommt er 2005 ganz zufällig. „Die sind mir vor die Füße gefallen.“ Ein Freund gibt ihm den Rat, gegen seinen Liebeskummer Heinrich Heine zu lesen. Repke tut’s und in Kopf und Herz fangen Farbe und Ton der Gedichte zu arbeiten. „Für mich sind das Songs, nicht einfach nur Rezitationsmaterial“, denkt er und greift zur Gitarre. Er vertont einen Sack Heine-Gedichte, holt Sänger Dirk Zöllner und weitere Musikerkumpels dazu und 2006 erscheint „Das Buch der Lieder“ als erstes Album des Clubs der toten Dichter. Den gleichnamigen Film übrigens liebt er, „weil er zeigt, dass es nicht uncool ist, Gedichte zu mögen“. 2008 folgen die Wilhelm-Busch-Vertonungen „Zweifach sind die Phantasien“ mit Norbert Leisegang von Keimzeit als Sänger. Und 2010 erscheint dann bei Edel Records Rainer Maria Rilke neu vertont: „Eines Wunders Melodie“. Die Lieder werden jetzt auch beim Konzert gespielt.

Rainer Maria Rilke? Hm. Ach ja, der hat die düsteren Schulbuchklassiker „Der Panther“ und natürlich „Herbsttag“, gedichtet. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr / Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“. Das kennen sogar eingefleischte Lyrikhasser, die von den Rilke-Rezitationsprojekten der letzten Jahre, die den 1926 verstorbenen Poeten durch Popstars von Peter Maffay bis Xavier Naidoo popularisierten, gar nichts mitbekommen haben. So wie Reinhardt Repke, der den Tipp mit Rilke von seiner inzwischen verstorbenen Mutter bekam.

Bei der Bandprobe in seinem inzwischen von ihm bewohnten Elternhaus in Buch schaut allerdings Goethe, der Hausgott seines Vaters, als Wandbild zu. Ringsherum leuchtet Grün, Züge rattern auf dem Bahndamm vorbei, im Wohnzimmer verstellen Menschen und Instrumente den Blick auf beiläufigen Retroschick. Ein guter Ort, so aus der Zeit gefallen wie die funkelnd schönen Texte, die Katharina Franck tief über ihrer Gitarre kauernd singt. „Ich will da gar nichts von mir hinzufügen“, sagt sie hinterher, „sondern lieber Rilkes Worte herausschälen“. Und ein bisschen Konterkarieren, wie beim „Herbsttag“, dem Reinhardt Repke eine ziemlich gewöhnungsbedürftig swingende Melodie verpasst hat, sei auch okay. Gegen die bleierne Bedeutungsschwere von Lyrikinterpretatoren hat der eh was. Macht doch nix, wenn ich Single bin und kein Haus hab’, grinst Repke, dann bau’ ich mir vielleicht im nächsten Jahr eins.

Den Rilke hat er Katharina Franck, die gerade mit ihrer Solo-Tour beschäftigt war, geradezu ehrfurchtsvoll angedient. Sechs Monate hat er sich nicht getraut bei ihr anzurufen, obwohl er für diesen Dichter genau ihre warme Stimme wollte. Aber dann passte alles, sagt sie. Terminlich, menschlich, musikalisch, lyrisch: „Mein Teenager-Idol Patti Smith war Rilke-Fan.“ Und die zwischen Singer/Songwriter, Folk und Country angesiedelten Popsongs und Lieder Repkes gefielen ihr. Und was hat der tote Dichter Rilke heute noch den Leuten zu sagen? Dass all ihre Empfindungen, Nöte, Fragen, Zweifel absolut nötig und berechtigt sind, sagt Katharina Franck. Auch wenn sie haargenau dieselben wie vor hundert Jahren sind.

Admiralspalast, Donnerstag, 20 Uhr, 21-39 Euro, www.club-der-toten-dichter.de

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