Konzert : Die Blöße der Klöße

Mit „54, 74, 90, 2006“ schufen die Sportfreunde Stiller die inoffizielle Hymne der Fußball-WM. Jetzt kommt die Münchner Gitarrenpop-Band zurück nach Berlin und singt in der Columbiahalle von Liebe, Leid und Leidenschaft.

Lena Hach
Sportfreunde_Stiller
Bitte mitsingen! Die Sportfreunde Stiller hatten nicht mit dem Riesenerfolg gerechnet. -Foto: Axel Schmidt/ddp

Sein Höhepunkt des letzten Jahres? Da muss Florian Weber, Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller, nicht lange überlegen: Das fand eindeutig in Berlin statt. Denn hier durfte seine Band gemeinsam mit der Nationalelf vor über einer Million Zuschauern auf der Fanmeile den WM-Abschluss feiern. Zu Recht, immerhin hatte die Gitarrenpop-Band den inoffiziellen Song zum Sommermärchen geliefert. Jetzt kehren die Musiker aus München nach Berlin zurück: Am 26. September treten sie in der Columbiahalle auf.

Mit so viel Aufmerksamkeit hatten Peter Brugger, Rüdiger Linhof und Florian Weber nicht gerechnet, als sie im Mai 2006 die Fußballplatte „You have to win Zweikampf“ veröffentlichten – aus Vorfreude, weil sie halt richtige „Fußballverrückte“ seien. Schnell fand das Lied „54, 74, 90, 2006“, das den WM-Titel für Deutschland prophezeite, den Weg in die Stadien. Es wurde zum bisher größten Erfolg der Band, die plötzlich jeder kannte. Doch kaum einer weiß, dass die Band schon 2003 ihren ersten Echo-Preis ergatterte. Einen ihrer ersten Auftritte außerhalb Münchens hatte sie bereits Ende der neunziger Jahre auf der Berliner Fete de la Musique. Damals nannten sie sich noch schlicht „Stiller“ – nach ihrem ehemaligen Fußballtrainer. Den Namen mussten sie jedoch aufgeben, da eine Hamburger Band ihnen zuvorgekommen war.

Die „Sportis“, wie Fans sie beinahe zärtlich nennen, gelten nicht gerade als Virtuosen. Auch Oberflächlichkeit wird ihnen häufig vorgeworfen. Tatsächlich fallen die stets nach vorne preschenden Songs durch mitunter nicht gerade subtile Sprachspiele auf. So singt Frontmann Brugger in der Single „Alles Roger!“ über einen Mitmenschen: „Du gibst dir lieber Klöße mit Soße statt die Blöße.“ Das mag man witzig finden oder auch nicht, auf alle Fälle ist es einprägsam. Und die dynamischen Songs leben gerade von ihrem hohen Mitsing-Faktor. Daher wehrt sich Weber gegen die Kritik: „Unser geistiges Schaffen beruht darauf, durch direkte Sprache Tiefgang zu erzeugen und eben nicht durch umständliche Sprache.“

Zum ersten Mal studioähnliche Verhältnisse im Proberaum

Anfang August erschien die fünfte Platte „La Bum“, mit der sich die Jungs den großen Themen des Lebens annehmen: Liebe, Leid und Leidenschaft. Um Sport geht es also nicht, abgesehen von einem Stück übers Surfen. „Es war offenbar ein inneres Bedürfnis, beim Songschreiben eine leicht nachdenklichere Ader mit einfließen zu lassen“, stellt Weber fest. Da im Proberaum zum ersten Mal studioähnliche Verhältnisse herrschten, konnte die Musik genauer durchleuchtet und analysiert werden. Das Ergebnis sind deutlich melancholische Untertöne. Der beschwingte SportfreundeKlang geht dennoch nicht verloren.

Trotzdem waren die Jungs nervös, als sie im Juni auf kleine Clubtour gingen, um die neuen Songs zu testen. In Berlin hatten sie sich das Lido in Kreuzberg für ihren Geheimauftritt ausgesucht. Wieder ließen es sich die Fans nicht nehmen, auf die Bühne zu klettern und mitzugrölen.

Vor einigen Tagen haben die drei ihre offizielle Tour zum neuen Album gestartet. Eigentlich war geplant, die Arena in Treptow zu bespielen. Aber die Halle mit ihren 9000 Plätzen war dann doch eine Nummer zu groß, das Konzert wurde kurzentschlossen in die kleinere Columbiahalle verlegt. Da sei die Akustik viel besser, schreiben Fans auf der Homepage. Als ob es bei den Sportfreunden darauf je angekommen wäre. Spielfreude stand schon immer im Vordergrund.

Mittwoch, 20 Uhr, Columbiahalle. Die Karten kosten 27 Euro.

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