Konzert gegen Gewalt : Bushido verteidigt Auftritt in Berlin

Der umstrittene Berliner Rapper Bushido wird morgen am Brandenburger Tor bei einem Konzert gegen Gewalt an Schulen auftreten. Einige Politiker fordern ein Auftrittsverbot wegen seiner gewaltverherrlichenden Texte. Jetzt sorgt Bushido erneut für Schlagzeilen.

Sophie Guggenberger
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Behält den Durchblick. Der 28-jährige Berliner Rapper Bushido als Botschafter gegen Gewalt.Foto: ddp

Der 28-jährige Berliner Rapper mit der Rasenmäherfrisur ist wegen seiner sexistischen und schwulenfeindlichen Texte umstritten. Geschlechtlich ausgewogen zeigt sich seine Fangemeinde, auch Mädchen singen bizarrerweise die Texte mit, die Frauenrechtlerinnen Zornestränen in die Augen schießen lassen. Versautheit ist im deutschen HipHop schon lange salonfähig geworden.

Kritik seitens der Politiker

Politiker aus den Reihen der CDU, FDP und der Grünen versuchen seit Wochen den morgigen Auftritt des Berliner Rappers zu verbieten. "Rüpel-Rapper wie Bushido taugen nicht als Vorbild. Ich fordere Auftrittsverbot für ihn beim Anti-Gewalt-Konzert!", äußerte sich CDU-Generalsekretär Frank Henkel. Grünen-Politiker Thomas Birk hält den Rapper als Botschafter gegen Gewalt für völlig ungeeignet. "Bravo sollte Bushidos Auftritt absagen", so Birk. Auch Björn Jotzo von der FDP lässt ähnliches verlauten: "Wer sich verhält wie Bushido, hat auf einem Event gegen Gewalt nichts zu suchen!".

Bushido, der mit richtigem Namen Anis Mohammed Yussuf Ferchichi heißt, hat mit Unverständnis auf die Kritik an seinem Auftritt bei der "Schau nicht weg"-Veranstaltung am Brandenburger Tor reagiert. Seinen Kritikern wirft er vor, mit Verbots-Forderungen lediglich von eigener Unfähigkeit ablenken zu wollen. "Wenn Politiker ihrem Volk einreden wollen, dass ich die Quelle allen Übels bin, nur damit sie besser schlafen können, bitte schön", äußerte sich der Rapper in einem jüngst vom eigenen Plattenlabel "ersguterjunge" veröffentlichten Interview. "Ich bin eben in den Köpfen mancher Menschen dieser böse Rapper, der die Gedanken unserer Kinder verseucht", so Bushido weiter.

Bushido - Botschafter gegen Gewalt

Die Veranstalter des Anti-Gewalt-Konzertes haben den Auftritt und Aussagen Bushidos verteidigt. Sämtliche seiner Texte seien von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) kontrolliert worden, sagte "Bravo"-Chefredakteur Tom Junkersdorf. "Bushido ist ein toller Botschafter gegen Gewalt", unterstrich Junkersdorf. Weiter bezeichnete er die Kritik an Bushidos Auftritt als reine "Sommerlochdiskussion", die sich "gewisse Interessengruppen zu Nutze" machten. Augenmerk solle vielmehr auf das eigentliche Thema des Konzertes, - "Wir gegen Gewalt an der Schule" - gelenkt werden.

Konzertveranstalter Peter Schwenkow sagte, man müsse den Künstler nicht mögen. Aber wer Bushido nicht kenne, kenne seine eigenen Kinder nicht. Bushido wäre einfach angesagt. Manche Texte wären sicher "Geschmacksfrage", fielen aber unter künstlerische Freiheit. Fernseh-Moderator Klaas Heufer-Umlauf vom Mitveranstalter "Viva" betonte, Provokation gehöre bei Rap nun einmal dazu.

Anzeige wegen Bedrohung und Nötigung

Momentan läuft gegen Bushido eine Anzeige wegen Bedrohung und Nötigung. Christian Hintze, ein 26-jähriger Fotograf aus Berlin, behauptet, Bushido habe ihn angegriffen. Der Vorfall ereignete sich Mitte dieser Woche vor dem Berliner Club "Matrix" in Friedrichshain (Warschauer Straße). Gegen 3 Uhr nachts gab es draußen vor der Discothek eine Schlägerei. Bushido tauchte auch dort auf. Als der Fotograf den Rapper ablichten wollte, wehrte sich dieser. In welcher Form ist nicht bekannt. Laut Aussage des Berliner Fotografen hätten ihm Bushidos Leibwächter seine Kamera entrissen und ihn mit Worten einschüchtern wollen.

Wann Bushido morgen beim "Schau nicht weg!"-Open Air auf der Bühne stehen wird, ist noch unklar. In jedem Fall wird Bushido dort erstmalig seine neue Single "Alles verloren" live präsentieren. Und ja, vielleicht kann Bushido noch ein wenig mehr als die Dicke-Hosen-Nummer. Die musikalische Umsetzung eines Lebensgefühls zwischen Kleinkriminalität und Maulheldentum beherrscht der Berliner Rapper perfekt. Bushido kann Bilder im Kopf entstehen lassen wie ein guter Romancier.

"Schau nicht weg!" Open Air Veranstaltung

Bushido gehört ebenso wie Sarah Connor, Gentleman, Monrose, LaFee, Mia, Nevada Tan und US 5 zu den Musikern, die bei dem Konzert zum Ferienende für ein gewaltfreies neues Schuljahr werben wollen. Die Veranstaltung ist Teil einer vor eineinhalb Jahren begonnenen Aktion der Zeitschrift "Bravo", die sich für mehr Toleranz einsetzt. Um 15 Uhr geht's los. Alle Eltern können durchatmen: Das Konzert soll schon um 21 Uhr beendet sein.

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