Konzert-Tipp : Das große Beben

Rosenstolz sind zurück in Berlin. Das Duo rockt die Columbiahalle und die Freiluftbühne in der Wuhlheide.

Nana Heymann
Rosenstolz
Rosenstolz: Auf einer Welle mit den Fans.Foto: ddp

Berlin„Boys Don’t Cry“ heißt es in einem bekannten Pop-Song von The Cure. Für Musiker Peter Plate, die eine Hälfte von Rosenstolz, gilt der Spruch nicht. Als er kürzlich mit Kollegin Anna R. auf der Dachterrasse des E-Werks in Mitte stand und die dreifache Platinauszeichnung für das Album „Das Große Leben“ entgegennahm, hatte der 39-Jährige einen feuchten Schimmer in den Augen. Und schämte sich nicht dafür.

Um Coolness oder Lässigkeit geht es bei Rosenstolz ohnehin nicht. Dem Duo – ein Paar ist es nur auf der Bühne – sind allein Gefühle wichtig. Liebe, Wut, Schmerz, Glück: Das sind immer wiederkehrende Motive in den Songs der beiden. Manche Menschen mögen von so viel Pathos, von so viel Gefühlsseligkeit genervt sein – der wahre Fan kann davon nicht genug bekommen. 600 000 Mal verkaufte sich „Das Große Leben“ seit seinem Erscheinen im März 2006. Es ist somit die erfolgreichste deutsche Scheibe des vergangenen Jahres. Mehr geht nicht.

Dabei ist der Superlativ eine Kategorie, von der Rosenstolz zu Beginn ihrer Karriere Anfang der 90er Jahre weit entfernt schienen. Da war die Band nicht mehr als ein Geheimtipp in der Berliner Schwulenszene, tingelte durch kleine Bars und Clubs, wurde gelegentlich ausgebuht. Zurück in die Abgeschiedenheit der Friedrichshainer Hinterhofwohnung, in der sich Anna und Peter einst kennenlernten, wollten sie dann aber doch nicht. Wahre Profis wissen eben auch mit Rückschlägen umzugehen.

Der große Durchbruch ins kollektive Bewusstsein des Mainstreams gelang Rosenstolz 1998. Da nahmen sie am deutschen Vorentscheid zum Grand Prix teil – und hatten gegen den Nussecken-Esser Guildo Horn das Nachsehen. Während der sich heute in fragwürdigen TV-Tanzshows zum Hampel macht, um überhaupt noch irgendwie medial präsent zu sein, füllen Anna und Peter große Stadien. Ihre Auftritte sind längst keine normalen Konzerte mehr, sondern eine Art musikalischer Gottesdienst für die gesamte Familie. Ob jung oder alt, Homo oder Hetero – sobald das Spotlight angeht, zählt nur noch das große Zusammengehörigkeitsgefühl, das Aufgehen in der Masse.

Ihrer Fanbasis sind Rosenstolz treu geblieben. Wenn sie heute Abend in der ausverkauften Columbiahalle spielen, dann tun sie das nicht aus Eigennutz: Die gesamten Einnahmen des Konzerts kommen der Deutschen Aids-Stiftung zugute, die in Abstimmung mit den Musikern darüber entscheidet, welches Projekt mit dem Geld unterstützt werden soll. Zur Scheckübergabe auf der Bühne wird auch Klaus Wowereit erwartet.

Mit dem heutigen Konzert ist das Wochenpensum noch längst nicht erfüllt. Am Freitag spielen Rosenstolz auf der – ebenfalls lange ausverkauften – Kindl-Bühne in der Wuhlheide. Danach stehen noch zwei weitere Auftritte auf dem Plan, bevor es für Anna und Peter in die verdiente Sommerpause geht. Zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen, neue Ideen sammeln. Für den nächsten Superlativ, der bestimmt nicht lange auf sich warten lässt.

Für das Konzert am Freitag, den 22. Juni, in der Wuhlheide verlosen wir 2x2 VIP-Tickets mit Zutritt zum Catering-Bereich. Dafür einfach heute bis 13 Uhr an verlosung@tagesspiegel.de eine Mail schicken. Bitte eine Telefonnummer angeben, unter der wir Sie benachrichtigen können.

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