''Krabat'' : Knallhart in den Karpaten

Am Donnerstag startet das Zaubermärchen "Krabat“ in den Kinos. Die Hauptdarsteller Daniel Brühl, David Kross und Robert Stadlober wohnen in Berlin - und feierten am Freitagabend die Premiere eines Films über Freundschaft und Magie.

Andreas Conrad,Eva Kalwa
Krabat
Hobbits oder Müllergesellen? David Kross und Daniel Brühl in "Krabat". -Foto: dpa

BerlinDie dabei waren, schwärmen noch heute: „Bruce Willis war unser DJ.“ Das war im Planet Hollywood in der Friedrichstraße, bei der Berlinale-Premierenparty zu „Breakfast of Champions“ 1999. Das Lokal gibt es schon lange nicht mehr, auch Willis dürfte seinen Zenit überschritten haben, aber Filmstars, die sich in Partylaune hinter den Plattenteller stellen, gelten noch immer als schick.

Am späten Freitagabend gab es gleich zwei in dieser Rolle zu besichtigen, bei der „Krabat“-Premierenparty im „Karlsson“ am Gendarmenmarkt, gar nicht so weit von Willis’ einstigem Auftrittsort entfernt: Daniel Brühl und Robert Stadlober, zwei der Hauptdarsteller in der Otfried-Preußler-Verfilmung, die zuvor im Cinestar am Potsdamer Platz Premiere hatte. Natürlich war auch David Kross von dort zum Gendarmenmarkt weitergezogen, Darsteller der Titelfigur, der dritte Quasi-Berliner im „Krabat“-Team. Gebürtig sind sie hier zwar alle nicht, aber in der öffentlichen Wahrnehmung längst eingemeindet, denn sie hatten große Erfolge, die untrennbar mit Berlin verbunden waren. Brühl beispielsweise in „Good bye, Lenin!“, Stadlober in „Sonnenallee“ oder „Berlin am Meer“ und Kross im Neukölln-Drama „Knallhart“.

Der Film von Marco Kreuzpainter, der am Donnerstag in die Kinos kommt, entstand nach dem vielfach ausgezeichneten Jugendbuch. Auch Stadlober kennt es seit langem, wie er bei den zahlreichen Interviewrunden im Vorfeld immer wieder erzählen musste. „Schon als Kind habe ich das Buch wegen seiner gruseligen Grundstimmung geliebt.“ Der 26-Jährige, der bereits mit 16 Jahren in einer eigenen Wohnung in Kreuzberg lebte und heute in Wien eine kleine Plattenfirma betreibt, spielt den undurchschaubaren Müllergesellen Lyschko.

Der Film erzählt die Geschichte des Waisenjungen Krabat, der sich während des 30-jährigen Krieges in einer Mühle an einen gnadenlosen Zaubermeister verdingt und erst langsam merkt, dass er sich auf einen Kampf auf Leben und Tod eingelassen hat. Allein die Liebe eines Dorfmädchens könnte ihn und seine elf Mitgesellen retten. Details der Romanvorlage wurden verändert oder weggelassen, doch das macht den Film nicht weniger unheimlich und fesselnd. „Ein höchst anspruchsvolles, in sich stimmiges Ganzes“, lobte Preußler in einem Dankesbrief an die Produktionsfirma.

Preußler siedelte seine Geschichte, die auf einer sorbischen Volkssage basiert, in der Lausitz an, die sich jedoch bei der Suche nach passenden Drehorten als unbrauchbar erwies. Ein Großteil der Außenaufnahmen wurde daher in den rumänischen Karpaten gedreht, in einer wildromantischen Gegend mit hohen Bergen, dichten Wäldern, eiskalten Flüssen – und Bären. „In den Nächten konnte man sogar Wölfe heulen hören. In dieser abenteuerlichen Umgebung war es leicht, sich in die mythische Atmosphäre der Geschichte hineinzuversetzen“, erzählt Daniel Brühl. In der unheimlichen Mühle ist er der Altgeselle Tonda, der zu Krabats Freund und Vorbild wird. Im wirklichen Leben glaubt der 30-Jährige nicht an Zauberei, wenngleich er als Jugendlicher gern E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und H. P. Lovecraft las.

Ähnlich wie im Film zwischen Tonda und Krabat besteht auch zwischen Brühl und Stadlober auf der einen und dem 18-jährigen Krabat-Darsteller Kross auf der anderen Seite ein freundschaftliches Verhältnis, in dem der Jüngere von der Erfahrung der Älteren profitierte. Ähnlich seinen Kollegen am Beginn ihrer Karriere erlebt Kross gerade, wie es ist, in kürzester Zeit zum gefragten Jungschauspieler zu werden. „David ist großartig: kritisch und bescheiden. Ich bewundere die Demut und den Respekt, mit denen er an den Schauspielerberuf herangeht“, lobt Brühl. Im Sommer stand Kross bereits für sein nächstes Großprojekt vor der Kamera: In Stephen Daldrys englischsprachiger Verfilmung des Romans „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink spielt er wieder die Titelrolle, den 15-jährigen Michael, der sich in eine Analphabetin und ehemalige KZ-Aufseherin verliebt, gespielt von Kate Winslet. Lastet angesichts dieser großen Rollen hoher Druck auf ihm? „Natürlich habe ich bei Krabat viel Verantwortung empfunden, zumal die Produktion für deutsche Verhältnisse vergleichsweise teuer war“, sagt Kross, der seit einiger Zeit in Berlin lebt. Er habe aber gelernt, seine Nervosität in andere Energie umzusetzen.

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