Kreuzberg : Karneval der Kulturen: Samba tanzen am Südstern

Am Freitagnachmittag geht es los: 95 Formationen treten am Pfingstwochenende beim Karneval der Kulturen in Kreuzberg an. Einige der originellsten stellen wir vor.

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Mit gelbem Gefieder. Die Tänzer des „Maracatu-Treffens Berlin“ sind wie im Vorjahr auch beim diesjährigen Karneval der Kulturen dabei. Foto: Gabert/dpa
Mit gelbem Gefieder. Die Tänzer des „Maracatu-Treffens Berlin“ sind wie im Vorjahr auch beim diesjährigen Karneval der Kulturen...Foto: dpa

Sie kommen mit viel Getöse und allen möglichen Vehikeln – Hauptsache, sie rollen: Beim großen Umzug des Karnevals der Kulturen an diesem Sonntag ist ein Trecker dabei, ein Feuerwehrauto, ein Oldtimer-Bus der BVG und eine alte Bimmelbahn. Insgesamt 67 Wagen fahren vom Hermannplatz bis zur Yorckstraße, dazu kommen 28 Gruppen zu Fuß – fast 4800 Teilnehmer aus 70 Nationen. 700 000 Zuschauer werden erwartet. Natürlich werden wieder die besten Gruppen prämiert. Wir stellen einige der 95 Formationen vor:

DIE GRUSELIGSTEN

Diesem Ungeheuer möchte man nicht zu nahe kommen:  ein riesiges Gerippe mit großen unheimlichen Knochenpranken, hellblauen, aus den Höhlen quellenden Augen, angetan mit einem langen schwarzen Rock. Es ist der Tod, eine Figur aus dem Puppenreigen der „Echt Street Puppets“ der tschechischen Gruppe Hura Collectiv. Menschen mit weißen Masken bewegen die Arme der Puppen mit langen Stöcken, andere leihen ihnen ihre Beine. Außer dem Tod gibt es auch noch Teufel, Wasser, Feuer und mehrere Engel. Die sehen aber gar nicht lieb aus, sondern wirken mit ihren starren Maskengesichtern und Fledermausflügeln ebenfalls ziemlich unheimlich. Seit 2007 sind die Puppen in Europa und Asien auf Straßenfestivals zu sehen.

Karneval der Kulturen 2010
Viel zu sehen gab es am Sonntag.Weitere Bilder anzeigen
1 von 38Foto: ddp
23.05.2010 22:58Viel zu sehen gab es am Sonntag.

DIE SPIRITUELLSTEN

Weiß und gelb sind die Farben der afro-brasilianischen Religion Candomblé. Zum 15. Mal tauchen sie an der Spitze des Zuges auf: Wieder führt die brasilianische Gruppe Afoxé Loni die Parade des Karnevals an. Einige Mitglieder zelebrieren ein spirituelles Reinigungs- und Schutzritual der Candomblé, andere tanzen und trommeln. Wahrscheinlich sind sie zum letzten Mal beim Karneval dabei: „Wir sind müde und ausgeblutet", sagt Krista Zeißig, Mitgründerin der Gruppe. „Denn es profitieren immer nur andere von unserem Engagement.“ Eine weitere Gruppe mit afro-brasilianischen Wurzeln ist das Maracatu-Treffen Berlin. Der einst von Sklaven getanzte Maracatu ist ebenfalls mit der Candomblé-Tradition verbunden. Er wird auf vielen verschiedenen Trommeln gespielt – darunter der großen Alfaia, deren tiefer Ton das Trommelfell zum Schwingen bringt. Das Maracatu-Treffen verbindet die traditionellen Rhythmen mit modernen Arrangements.

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Um die Grafik groß zu sehen, klicken Sie bitte unten rechts auf die Lupe!Grafik: Tsp/Bartel

DIE SCHNURRBÄRTIGSTEN

„Puszta, Paprika, Wein, Zigeunermusik, Piroschka“ kündigen die Macher der Gruppe „Der ungarische Schnurrbart“ für ihren „Ungarn-Lkw“ an. Er soll die „Antwort der Berliner Ungarn auf Stereotype“ über ihr Heimatland sein. Die DJs nennen sich „Goulasch Exotica“ und fordern die Zuschauer auf: „Lass Deinen Schnurrbart nicht zu Hause!“

DIE POLITISCHSTEN
Für den Verein „Garten der Kulturen“ ist die tunesische Jasminrevolution mit dem Sturz des Diktators Ben Ali im Januar noch lange nicht vorbei. Sie wollen die Revolution mit Tanz und Performance zum Karneval der Kulturen bringen und versprechen einen „exorbitanten Wagen“. Nicht ganz so politisch ist der „deutsch-baskische Kulturverein Euskal Etxea“. Er will zeigen, dass Volkstänze und das Trikitilari, ein baskisches Akkordeon, zu dem Pyrenäen-Volk mit der schwierigen Sprache gehören – und nicht nur der Terrorismus, den viele mit dem Baskenland verknüpfen.

DIE STILLSTEN

Laute Trommeln dominieren den Umzug, aber es geht auch anders: Der Gehörlosenverband Berlin schickt ebenfalls eine Gruppe, die „die Kultur der tauben Menschen“ präsentieren soll. In Türkis, der Farbe der Gehörlosengemeinschaft, zeigt sie visuelle Poesie in Gebärdensprache. Und der Gebärdenchor „singt“ lautlos.

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