Kreuzberg : Rempelei auf Rädern

Blaue Flecken, Rippenbruch? Egal! Die US-Sportart Roller Derby hat jetzt auch ein Team in Kreuzberg

Antonie Rietzschel
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Kamikaze in Kreuzberg. Gut gepolstert jagen die „Bombshells“ bei diesem Sport durch die Turnhalle am Mariannenplatz.

„Foxy Führer“ schnallt den Helm fest und stopft sich die Beißschiene zwischen die Zähne. Ein Pfiff – und schon nimmt sie mit ihren Rollschuhen Anlauf und prescht los. Vor ihr rollt tief gebeugt „Matadora“. Ein Mädchen auf der Zuschauertribüne brüllt: „Jetzt klopp’ die doch mal weg!“. Und so wirft sich „Foxy Führer“ mit der Schulter gegen „Matadora“, die das Gleichgewicht verliert, krachend zu Boden fällt und über den Hallenboden schlittert. Ein böser Sturz. Doch die gefällte Amazone zieht nur schnell die Netzstrümpfe zurecht, rappelt sich hoch und macht sofort Jagd auf den sich schubsenden Frauenpulk.

Was aussieht wie Frauencatchen auf Rollschuhen, nennt sich Roller Derby. Roller Derby kommt aus den USA und ist ein Sport für harte Mädels mit ordentlich Mumm in den Knochen. Bislang gab es in Deutschland nur eine Gruppe in Stuttgart, doch nun hat sich auch eine in Berlin etabliert: die „Bombshells“.

„Foxy Führer“ alias Janina hat die Mannschaft gegründet. „Ich wollte gerne Sport machen und suchte nach einer Alternative zu den üblichen Bauch-Beine- Po-Kursen im Fitnessstudio“, sagt sie. Die 25-Jährige aus Kreuzberg überredete ihre Freundinnen und verteilte Flyer, um andere Frauen von dem Sport zu begeistern. Gemeinsam suchten sie sich eine Halle, in der sie erst mal ihre Kondition auf Vordermann brachten und das richtige Hinfallen übten. Dann kauften sie sich Rollschuhe, auf denen die meisten das letzte Mal als Kind gestanden hatten.

Nach zwei Monaten waren sie so weit zu lernen, wie man den Gegner ordentlich auf das Parkett ledert. „Am Anfang haben wir uns andauernd entschuldigt“, sagt Janina. Neben unzähligen blauen Flecken und geschwollenen Knien, brachen während des Trainings zwei Rippen, andere erlitten eine Gehirnerschütterung. Irgendwann entschuldigte sich niemand mehr. „Roller Derby ist einfach der perfekte Sport für uns Frauen, um mal richtig die Sau rauszulassen, anders zu sein als sonst“, sagt sie. Dazu gehören auch die Kampfnamen der Spielerinnen. Steht sie auf Rollschuhen wird aus Janina, der auszubildenden Veranstaltungskauffrau, ihr böses Alter Ego „Foxy Führer“, eine aufreizende Rockabilly-Schnecke, die gerne ordentlich draufhaut. Schön, aber auch schön böse – das gilt auch für die anderen Damen der „Bombshells“, die sich unter anderem „Miss DeviLena“, „Kami Katze“ oder „Darkside Barbie“ nennen. Ihre Namen sollen den Gegnern Angst machen, genauso wie die Kriegsbemalung. Vor ihrem ersten Roller Derby gegen die „Valley Rollergirlz“ schminken sie sich gegenseitig große Narben und blutrote Rinnsale ins Gesicht.

Die Regeln sind schnell erklärt: Zunächst starten je Team vier Spielerinnen und bilden das sogenannte Pack. Hinter ihnen startet jeweils eine Jammerin, die sich durch das Pack kämpfen muss, um so Punkte zu holen. Die gegnerische Mannschaft versucht das natürlich mit vollem Körpereinsatz zu verhindern. Dabei fahren die Mädels immer im Kreis. In dessen Mitte stehen die Schiedsrichter, die ein Auge auf die rempelnden Mädchen haben. Beißen, Kratzen oder Beinstellen ist verboten. Nach zwei Stunden Rempelei auf Rollschuhen ist das erste Rollerderby für die „Bombshells“ auch wieder vorbei. Zum Schluss werden die Trophäen präsentiert: Aufgeschürfte Haut und blaue Flecken.

Wer mitmachen will: Die „Bombshells“ trainieren jeden Donnerstag und Sonnabend in der Turnhalle in der Wrangelstraße am Mariannenplatz. Informationen: www.berlin-bombshells.de.

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