Stadtleben : Krise war gestern

Morgen wird der „Echo“ verliehen. Das ist Grund zum Feiern, sagt Dieter Gorny, einer der mächtigsten Musikmanager Deutschlands

Sebastian Leber

Dass der Musikpreis „Echo“ dieses Jahr ausgerechnet während der Berlinale vergeben wird, hätte nicht unbedingt sein müssen, sagt Dieter Gorny. „Aber es schadet auch nicht.“ Und wenn man bedenke, wie musiklastig die Berlinale diesmal ausgerichtet sei, mit dem Stones-Film und Patti Smith und Madonna, dann könne man auch folgende Schlussfolgerung ziehen: „Der Echo ist der Höhepunkt der Berlinale-Woche.“ Als er das sagt, grinst er ein bisschen.

Zum achten Mal wird morgen Abend der deutsche Musikpreis in Berlin verliehen, erstmals seit 2004 wieder im ICC. Ausrichter ist die Deutsche Phono-Akademie, die Interessengemeinschaft der Plattenfirmen. Und Dieter Gorny ist ihr Chef. Nein, in die Vorbereitungen für den Echo hat er sich nicht eingemischt, sagt er. „Die haben ein großes Team, die können das.“ Aber neugierig ist er. Vor allem auf die Stars im Showprogramm: Kylie Minogue findet er „sehr interessant, Alicia Keys aber auch, gerade wegen ihrer tollen Stimme. Und auf Grönemeyer freue ich mich besonders.“

Gorny, 54, ist einer der wichtigsten Musikmanager Deutschlands. Ende der Achtziger hat er die Messe Popkomm gegründet und etwas später den Sender Viva. Beide in Köln, beide sind inzwischen nach Berlin gezogen, mit beiden hat der Manager nichts mehr zu tun. Auch Gorny arbeitet mittlerweile in Berlin, drei Tage die Woche, von montags bis mittwochs, den Rest der Woche lebt er mit Frau und Kindern in Essen. Sein Verbandsbüro liegt in der Oranienburger Straße. „Der Tapetenwechsel hat der Popkomm gutgetan“, sagt er. Und dem Echo, der vor acht Jahren von Hamburg nach Berlin gewechselt ist, sowieso: „Schließlich findet im Ausland gerade so ein Hype um Berlin statt.“ Das sei ein Grund dafür, dass immer mehr internationale Künstler bei der Preisverleihung vorbeischauen, sich Auszeichnungen abholen oder auftreten. Neben Kylie Minogue und Alicia Keys haben sich diesmal James Blunt und die finnische Rockband Nightwish angekündigt.

Etwas müde sieht Gorny gerade aus, das liegt an den vielen Berlinale-Partys, sagt er. Fühlt man sich mit 54 nicht irgendwann zu alt für die stressige Musikbranche? „Ich halte das nicht für eine Frage des Alters, sondern für eine Frage der Neugier.“ Die hat er noch. Überrascht hat ihn im vergangenen Jahr etwa, wie erfolgreich deutsche Popbands wie Wir sind Helden und Juli weiterhin sind. „Viele haben das für eine Mode gehalten“, aber das stimme nicht: „Die Bands haben ganze Fanscharen hinter sich.“

Als Verbandschef kämpft er gegen die illegalen Downloads. Und gegen das ewige Gerede über die Krise der Musikindustrie. „Ich würde das nicht mehr als Krise bezeichnen.“ Die legalen Downloads steigen, die CD-Verkäufe sinken nicht mehr so dramatisch. Dass trotzdem viele von Krise sprechen, hänge wohl damit zusammen, dass „Musik eine elementare Emotionalität hat“. Jeden berühre sie, deswegen habe auch jeder eine Meinung. „Was Emotionen angeht, kommt Musik direkt nach dem Fußball.“ In Berlin lebt Gorny im Hotel, im Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz, seit Jahren schon. „Das nervt mich überhaupt nicht“, sagt er. „Ich hab hier fast schon ein bisschen Heimatgefühl.“ Und wenn’s mal langweilig wird, hat er ja seinen iPod. Gerade hört er wieder Metallica. Alle Hits von 1989 bis heute.

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