Ku'damm Bühnen : Promi-Demo mit Musik

Der Verein "Rettet die Ku’damm-Bühnen" macht mobil: Am Montag ist ein Freiluftkonzert mit vielen Künstlern. Der Abriss des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm soll verhindert werden.

Cay Dobberke

BerlinOtfried Laur gibt nicht auf. Seit Jahren kämpft der Chef des Berliner Theaterclubs gegen den Abriss des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm. Jetzt steht die erste große Aktion des Vereins „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ bevor, den Laur seit Dezember leitet: Am Montag wollen sich Künstler und Prominente zum „Demo-Konzert“ vor den Theatern im Ku’damm-Karree treffen. Laur hofft, dass „die Volksstimme stark genug sein wird, den Abriss der historisch wichtigen Theater zu verhindern“. Fast 190 000 Bürger hätten sich in einer Unterschriftensammlung für die Bühnen eingesetzt. Es gehe um das Erbe des Regisseurs und Intendanten Max Reinhardt und des Theaterarchitekten Oskar Kaufmann.

Das Freiluft-Konzert soll von 16 bis 21 Uhr dauern. Mit dabei sind unter anderem Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra, das Salon-Orchester Berlin, die Kabarettistin Gabi Decker, Autor Horst Pillau, das Leipziger Kabarett Die Pfeffermühle, Sängerin Angelika Mann, Sänger Bert Beel und Schauspieler wie Edith Hancke, Walter Plathe, Franziska Troegner und Herbert Köfer. Zu den vorgesehenen Rednern gehören Laur, Berlins Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig, die Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeisterin Monika Thiemen und der Stadtplaner Dietrich Worbs, der ein Buch über die Boulevardtheater geschrieben hat.

Fehlen werden dagegen Intendant Martin Woelffer und sein Vater Jürgen Wölffer. Lange hatten sie für die Erhaltung ihrer Häuser gekämpft, doch nun sehen sie sich „zwischen den Stühlen“, wie Jürgen Wölffer dem Tagesspiegel sagte: „Wir haben im Dezember einen Vertrag mit dem Investor Ballymore geschlossen und können uns jetzt nicht gegen die Pläne stellen – auch wenn wir den Abriss natürlich mit einem weinenden Auge sehen.“

Die irische Ballymore Group hat das gesamte Ku’damm-Karree erworben und will es umbauen. Die zwei Bühnensäle mit zusammen 1400 Plätzen sollen weichen, dafür ist ein neues Theater mit 650 Plätzen geplant. Teile der alten Einrichtung sollen übernommen werden. Die Verlagerung um wenige Meter würde Platz für weitere Nutzungen im Gebäudekomplex schaffen – darunter Geschäfte und Wohnungen. „Ballymore ist der erste Investor, der sich auf uns eingelassen hat“, sagt Jürgen Wölffer. Zuvor hatten andere Eigentümer ein Shoppingcenter geplant und den Bühnen gekündigt. Jetzt ist ein Mietvertrag über 20 Jahre im Neubau geplant.

Ein Ballymore-Sprecher bekräftigte, dass die Arbeiten möglichst 2010 beginnen sollen. Noch fehlt aber ein Ersatzquartier, wo der Theaterbetrieb während der dreijährigen Bauzeit weitergehen könnte. Außerdem lehnt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den Abriss beider Bühnen ab. CDU-Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler kann ihn nicht verbieten, hat jedoch ein Druckmittel: Die Neugestaltung des Ku’damm-Karrees erfordert Befreiungen vom Planungsrecht. Und diese will Gröhler nur erteilen, wenn mindestens einer der alten Säle stehen bleibt. Cay Dobberke

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