Ku’damm-Bühnen : Vorhang auf für neue Gespräche

Lange hatten Investor und Bezirksvertreter nicht mehr miteinander geredet. Nun gibt es neue Hoffnung für Anhänger der Traditionstheater im Ku’damm-Karree.

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Ein Hauch von Purpur. So soll das Foyer des geplanten Theaterneubaus aussehen. Im modernisierten Ku’damm-Karree wäre nur noch...

BerlinSoll es künftig nur noch eine neu gebaute Ku’damm-Bühne geben – oder können das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm im alten Zustand erhalten werden? Über diese Streitfrage sprachen am Dienstag der Eigentümer des Ku’damm-Karrees, Sean Mulryan von der irischen Ballymore-Group, und der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Immerhin gab es wieder ein Gespräch, wenn auch keine Entscheidung, und auch ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Das Treffen sei aber „angenehm verlaufen“, sagte Gröhler; ein Ballymore-Sprecher zeigte sich „ausgesprochen zuversichtlich“. Das nächste Treffen soll im Juni stattfinden.

„Beide Seiten haben Verständnis für die Maximalforderung der anderen Seite gezeigt“, sagte Stadtrat Gröhler. Für das Bezirksamt und alle Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) kommt ein Abriss der Boulevardtheater nicht infrage. Dagegen argumentiert Ballymore, der geplante Umbau des Ku’damm-Karrees für 500 Millionen Euro sei unmöglich, wenn auch nur ein Saal an alter Stelle bleibe. Der Eingangsbereich würde „blockiert“, es bestehe ein „enormes Risiko, dass das ganze Projekt nicht angenommen wird“, heißt es. Dieser Meinung seien auch potenzielle Mieter. Am Eingang sollen Geschäfte und Gastronomie entstehen, das bestehende Restaurant Dressler könnte nach den Bauarbeiten wieder einziehen. Auch ein Fünf-Sterne-Hotel und Wohnungen gehören zu den Plänen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte den Bezirk vor kurzem zur Eile gedrängt.

Es gehe nicht um ein übliches Shoppingcenter, betonte der Investorensprecher. Vielmehr werde der Theaterneubau zum „Herzstück“ und „auf Weltklasseniveau ausgestattet“. Die Bühne ist in der ersten Etage geplant, ihr Eingang im Parterre. Mit 650 Plätzen wäre der Saal knapp halb so groß wie die alten Bühnen mit zusammen 1400 Sitzen. Teile der Inneneinrichtung will man übernehmen.

Das entspricht einem Vertrag mit Intendant Martin Woelffer und seinem Vater Jürgen. Nach langem Kampf um ihre Häuser hatten sie einen Kompromiss akzeptiert, der den Spielbetrieb im Neubau auf 20 Jahre sichert. Bedroht wurden die Bühnen ursprünglich von anderen Investoren: 2006 hatte eine Tochterfirma der Deutschen Bank die Mietverträge gekündigt, dann wechselte das Ku’damm-Karree mehrmals den Eigentümer. Erst Ballymore war bereit, ein Theater in den Neubau zu integrieren. Ein Wortführer der Proteste ist Otfried Laur vom Berliner Theaterclub, dessen Verein „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ im März eine Freiluftdemo mit vielen Künstlern veranstaltete.

Intendant Woelffer kehrte erst gestern von einer Reise zurück und wird sich voraussichtlich heute zum Stand der Dinge äußern. Ballymore-Vertreter wollten sich noch am Abend mit ihm treffen. (CD)

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