Kulturfabrik Moabit : Jung und frech

Lesebühnenheld und Komiker Tilman Birr ist mit seinem neuem Programm im plüschigen Theaterdock in der Kulturfabrik Moabit zu sehen. In seinen Texten finden sich Sätze wie: „Keen Berlina, aber Ansprüche stellen!“ oder „Das nennt man bildungsfern – ‚dumm’ klingt gleich so negativ!“

Eva Kalwa

Tilman Birr nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die kleinen und größeren Schwächen seiner Mitmenschen treffsicher aufs Korn zu nehmen. Damit hat der Wahlberliner in den vergangenen Jahren auf Lesebühnen und Poetry-Slams bereits viel Erfolg gehabt. Nun startet sein erstes Soloprogramm „Früher war hier alles Feld“ im Theaterdock in der Kulturfabrik Moabit.

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„Früher war hier alles Feld“: Birrs Programmtitel klingt historisch. Foto: T. Rückeis

Etwas abgeranzt wirkt vieles in dem soziokulturellen Zentrum in der Lehrter Straße, das seit 1991 existiert und ab Ende des Jahres aus Mitteln der Lottostiftung renoviert werden soll. Endlich wird es dann eine Heizung geben, denn im Winter mussten sich die Besucher des kleinen Kinos und des Theaterdocks bisher immer in dicke Decken einmummeln. Kuschelige Sofas, Stehlampen und ein riesengroßer elektrischer Kerzenleuchter mit Engeln sorgen durch ihren plüschigen Charme aber schon jetzt zumindest für eine warme Atmosphäre. „Fast alles hier ist erbettelt“, erzählt Claudia Hesping, die ehrenamtlich für die Öffentlichkeitsarbeit des vom Senat treuhänderisch verwalteten Hauses zuständig ist. So stammt der Holzfußboden im kleinen Theater von einer „Ritter Blaubart“-Inszenierung an der Komischen Oper, und der schöne hölzerne Rundbogen war einmal eine Spende der Deutschen Oper.

Ab dem heutigen Freitag tritt Tilman Birr in dem kleinen Saal auf. Der 28-Jährige wird bei seinem ersten abendfüllenden Programm einige seiner Texte lesen, andere frei sprechen und auch ein paar Lieder zur Gitarre singen. Vor rund neun Jahren ist der gebürtige Frankfurter nach Berlin gekommen, hat hier ein Geschichtsstudium absolviert, an vielen Lesebühnen und Poetry-Slams teilgenommen und parallel im Jahr 2002 eine eigene Lesebühne in Frankfurt eröffnet. „Das war dort wesentlich einfacher als in Berlin, hier gab es bereits so viele Angebote“, erzählt Birr, der heute in Friedrichshain wohnt und gern die Klischees über Ost- und West-, gebürtige und Neu-Berliner parodiert. Und zwar meist so witzig und geschickt, dass seine überwiegend studentischen Zuhörer lachen und sagen: „Ja, genau so isses!“ Birr selbst hat ein gespaltenes Verhältnis zu Berlin: „Mich verbindet eine Hassliebe zu der Stadt – aber ich würde auf keinen Fall wegziehen wollen“, sagt er. Sein Magisterzeugnis hat er erst mal nur an die Wand gehängt, er will sich nun ganz auf seine Karriere als Kabarettist konzentrieren und irgendwann gern ein ganzes Kabarettstück à la Josef Hader schreiben. Der ist ja neben der Bühne auch regelmäßig in Kinofilmen zu sehen.

Wären Film oder Fernsehen für den Nachwuchskomiker Birr auch eine Alternative? „Wenn das Angebot passt, auf jeden Fall“, sagt er. „Ich muss aber nicht ins Dschungel-Camp!“

Theaterdock, Lehrter Str. 35, Moabit. 27.-28. März., 3.-5. und 10.-12. April, jeweils 20.30 Uhr. Karten 14, erm. 11 Euro
Infos und Tickets unter:
www.tilmanbirr.de

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