Kulturloge Berlin : Neue Initiative verschenkt Theater- und Konzertkarten

Am 26. April startet ein gemeinnütziges Projekt, das Menschen mit wenig Geld einen Abend im Theater oder Kino ermöglichen will.

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Ohne Moos was los. Angela Meyenburg (v. l. n. r.), Tanja Stoffenberger, Sabine Gaudszun und Lutz Sepke sind die Macher der...

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Eigentlich ein furchtbar strapazierter, floskelhafter Satz. Wahr ist er trotzdem und nebenbei das knapp zusammengefasste Leitmotiv der Kulturloge Berlin.

Das am 26. April startende gemeinnützige Projekt will Menschen mit wenig Geld ermöglichen, trotz Ebbe in der Haushaltskasse einen schönen Abend im Theater, Konzert, Kino oder bei einer Lesung verleben zu können. Die Karte dafür gibt es von Kulturveranstaltern, die sie vorher nicht verkaufen konnten, geschenkt.

Im Februar hat Initiatorin Angela Meyenburg, die die Kulturloge Berlin auch koordiniert, schon mal einen Testlauf gewagt und die ersten 100 Eintrittskarten verschenkt. An Hartz-IV-Empfänger, Grundsicherungsbezieher oder Geringverdiener. Die Komödie am Ku’damm und der Kammermusiksaal der Philharmonie haben die Tickets an sie abgegeben. Ganz vorsichtig seien die ersten Interessenten gewesen, die sie in einer Lebensmittelausgabestelle der „Berliner Tafel“ ansprach, sagt sie. Viele glaubten erstmal an einen Scherz.

Dabei ist die Kulturloge eine ebenso einfache wie einleuchtende Idee, findet Lutz Sepke, der Geschäftsführer des Stadtteilvereins Tiergarten. So ein Theaterticket oder eine Konzertkarte hole vereinsamte Leute aus der Wohnung, bringe sie unter Menschen, baue Schwellenängste ab, stärke das Selbstvertrauen, biete Denkanreize und schaffe Kommunikation. Sepkes Stadtteilverein in der Pohlstraße liefert die organisatorische Plattform für das Projekt. Die Adressdaten und Kulturvorlieben der zukünftigen Gäste, wie die Kulturlogen-Mitglieder heißen, werden hier verwaltet und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den Leuten mit ein paar Tagen Vorlauf telefonisch die von Veranstaltern eingesammelten Karten anbieten, sitzen hier.

Zwei Ehrenamtliche hat die Kulturloge schon: Tanja Stoffenberger und Sabine Gaudszun. Letztere ist seit einem Monat dabei, Kulturanbieter für die Kulturloge Berlin zu akquirieren. Gerade spricht sie mit dem Friedrichstadtpalast, dem Berliner Ensemble und der Deutschen Oper. Fest als Kooperationspartner an Bord sind unter anderem das Grips-Theater, Arena, Admiralspalast, Wühlmäuse, Temporäre Kunsthalle, Literaturhaus Berlin, Galli-Theater oder der Quatsch Comedy Club. Da die Kulturloge mittelfristig auf 10 000 Interessenten hofft, sollen das noch sehr viel mehr werden.

Durch Kultur können Leute, die mangels Geld aus der Gesellschaft rausfallen, wieder am Leben in der Stadt teilnehmen, glaubt Sabine Gaudszun. Das stünde der Kultur- und Geringverdienerstadt Berlin gut zu Gesicht. Teilhabe an Kultur sei einfach ein Menschenrecht. Und im Gegensatz zum Berlin-Pass des Senats, der Bedürftigen verbilligten Zutritt zu Veranstaltungen ermöglicht, aber dort auch vorgezeigt werden muss, sei die Kulturloge ganz umsonst und für die Gäste anonym, sagt Angela Meyenburg.

Der wichtigste Partner ist der Lebensmittelspendenverein „Berliner Tafel“, die ebenso wie Diakonie oder Stadtteilverein Tiergarten mitmachen. Ende April werden die Leute von der Kulturloge die 45 Ausgabestellen der „Berliner Tafel“ besuchen und deren Besucher auf ihr Angebot hinweisen. Anmelden für die Kulturloge geht nämlich nur vor Ort bei einem der kooperierenden Sozialträger, damit die Bühnen und Konzerthäuser auch wissen, dass ihre für lau abgegebenen Tickets tatsächlich bei bedürftigen Leuten ankommen. Dann wandern die Daten in eine Liste und Ehrenamtliche bieten die Tickets telefonisch an.

Die Idee hat die Netzwerkerin Angela Meyenburg von der ersten Kulturloge Deutschlands übernommen, die seit Sommer 2009 in Marburg arbeitet. Nach Berlin soll dann auch eine in Hamburg eröffnen. Die Kulturloge mache Resteverwertung mit Mehrwert für die Menschen, Kulturanbieter und Gesellschaft, ist Meyenburg überzeugt. Die Veranstalter bekämen ein volles Haus und Werbung, die Kulturfans ohne Geld neuen Schwung ins Leben und das Gemeinwesen mehr Ausgleich zwischen Arm und Reich. „Neben der Liebe macht uns doch die Kultur zu menschlichen Wesen“, sagt Meyenburg. „Wer da nicht mehr mitmachen kann, verliert sein Gesicht.“

Weitere Informationen gibt es unter: www.kulturloge-berlin.de

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