Stadtleben : Kunst rollt in den Kiez

Der Kopf eines Jungen ist auf das Kleid gemalt. Daneben eine Blume. Ansonsten ist es noch recht weiß. Aber wird so nicht bleiben. Denn das Kleid ist Teil des Kunst-Projektes „Capsula – Kunst auf Rädern“. Und darin steckt Bewegung. Mit einem 3,5-Tonner fahren derzeit 20 Künstler sieben Berliner Stadtteile an. Die letzte Station ist am Freitag und Samstag Hellersdorf. Dort soll das Kleid dann möglichst bunt sein und zum Teil einer Vorführung werden.

„Wir wollten in die Gegenden, in denen Kunst normalerweise nicht ist“, sagt die Organisatorin Theresa Lunau. Und in den Bezirken werden nicht nur Projekte gezeigt, die vorher entstanden sind. Mitmachen ist ein wesentlicher Teil des Projektes, das von der Europäischen Union gefördert wird. Die Besucher sollen selbst zu Künstlern werden. Neben dem Kleid können sie sich beispielsweise auf einer Leinwand mit ihren Motiven verewigen oder mit Fragebogen und Foto ihren Lieblingsplatz beschreiben. „Wir hoffen, am Ende zu sehen, dass in den Kiezen verschiedene Sachen passiert sind“, sagt Lunau. Dort werden aber auch verschiedene Sprachen gesprochen, Kulturen gelebt. Hier will Capsula Berührungsängste und Vorurteile abbauen helfen.

Der mobile Kunstraum tourte in den vergangenen Tagen schon durch Lichtenberg, Neukölln und Wedding. Heute steht er in Spandau. Charlottenburg, Kreuzberg und Hellersdorf sind in den kommenden Tagen dran. So entsteht ein Bild von Berlin, das im Januar in einer Folgeausstellung zu sehen sein soll.

Die fahrenden Künstler kommen aus aller Welt, leben aber in Berlin. Sie sind vor Ort und wollen helfen, die Hemmschwelle zu ihrer Profession zu nehmen. Für manche Passanten ist der Zugang noch nicht so einfach. „Was’n dis?“ fragen zwei Jungen abschätzig, als sie den Lkw sehen. „Kunst“ antwortet eine Künstlerin. „Na, so sieht’s auch aus.“mj

Heutige Station: Charlottenburg, 10. und 11. September Kreuzberg, 12. und 13. September Hellersdorf. Weitere Infos: www.capsula-berlin.com

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