Kurfürstendamm : Atze Brauner will die Ku’damm-Bühnen retten

Der 91-Jährige hat eine Idee, um das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm zu erhalten: Sie sollen einfach das Nachbarhaus mieten – das ihm gehört.

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Theater seiner Träume. Brauner, hier bei einem Besuch im Hollywood-Media-Hotel, ist mit dem Intendanten im Gespräch. Sagt er. Der Intendant weiß davon gar nichts.
Theater seiner Träume. Brauner, hier bei einem Besuch im Hollywood-Media-Hotel, ist mit dem Intendanten im Gespräch. Sagt er. Der...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Hinter den Schaufenstern glänzen unter Neonröhren schwarze Limousinen. Nebenan befinden sich eine Boutique und ein Steakhaus, im Stockwerk darüber eine Sprachschule. Theaterluft kann man hier, in dem nüchternen sechsstöckigen Gebäude am Kurfürstendamm Ecke Knesebeckstraße, nicht schnuppern. Doch das könnte sich ändern, zumindest wenn es nach dem Wunsch des Hauseigentümers Artur Brauner geht: Er würde gern das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm als neue Mieter begrüßen. Die beiden traditionsreichen Privattheater liegen nur wenige Schritte entfernt und sind seit Jahren wegen des geplanten Umbaus des Ku’damm-Karrees von Schließung und Abriss bedroht.

„Wenn der Senat sich bereit erklärt, die Miete für die beiden Theater zu subventionieren, könnten wir am neuen Standort schon bald mit den Umbau beginnen“, sagt Brauner. Er stellt sich vor, auf einer Gesamtfläche von 1500 Quadratmetern das größere Theater dort zu platzieren, wo jetzt noch Daimler seine Limousinen ausstellt und seine Kunden bewirtet. Das kleinere Theater würde dann auf dem Innenhof unterkommen, darunter ein Parkplatz gebaut werden. So könnten laut Brauner Kapazitäten für 500 bis 600 Besucher geschaffen werden. Bezüglich der Kündigungen der aktuellen Mietverträge erwartet Brauner überhaupt keine Probleme. „Alle meine Mieter sind bereit und offen zu helfen.“ Der Umzug selbst, quasi von einem Nachbarhaus ins andere, sei dann nur noch ein Kinderspiel – und ein kostengünstiges dazu. „Doch ohne staatliche Mietsubventionen bewegt sich nichts“, sagt Brauner, der 91-jährige Filmproduzent und Immobilienunternehmer.

Vor weniger als zwei Jahren hatte er in einem als Anzeige gedruckten offenen Brief im Tagesspiegel veröffentlicht, vor einem Schuldenberg von 60 Millionen Euro zu stehen. Ob das Haus Kurfürstendamm 203–205 schuldenfrei sei, wollte Brauner nicht beantworten. „Das ist für diese Pläne gar nicht relevant“, sagt er.

Wie viel Miete würde er denn vom Intendanten der beiden Theater, Martin Woelffer, verlangen wollen? „Das kommt ganz darauf an, welche Ausstattung Herr Woelffer haben möchte. Ich bin sowohl mit ihm als auch mit einer Architektin im Gespräch.“ Doch Woelffer, seit 2004 in dritter Generation Geschäftsführer der beiden Ku’damm-Theater, weiß von keinen Gesprächen. „Für uns haben nach wie vor die Vorschläge des Investors oberste Priorität, und nach dem letzten Gespräch mit Kulturstaatssekretär André Schmitz bin ich guter Dinge, dass es auch nach dem Umbau des Karrees ein Theater am Kurfürstendamm geben wird“, sagt Woelffer. Der letzte Vorschlag des Architekten David Chipperfield, den Theatersaal in die Uhlandstraße zu verlegen, scheint hingegen vom Tisch zu sein. Der Plan war vor rund zwei Monaten auf heftigen Widerstand sowohl bei Politikern als auch bei den Theaterfreunden gestoßen. Woelffer kann sich im Gegensatz zu Brauner keinesfalls vorstellen, dass sich in naher Zukunft die Subventionspolitik ändert und seine beiden Häuser plötzlich von staatlichen Zuschüssen profitieren könnten. „Das halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagt der 46-Jährige.

Woelffer, dem vom Investor für die Theater nach wie vor Mieterlass gewährt wird, will alles daransetzen, so lange wie möglich den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Er zeigt sich optimistisch, dass die Umbaupläne, die Chipperfield in zwei Monaten vorstellen will, weiterhin einen repräsentativen Zugang zum Theater vom Kurfürstendamm aus gewährleisten werden. Vielleicht, hoffen Theaterfreunde, machen die neuen Entwürfe sogar die Erhaltung einer der beiden Bühnen am historischen Ort möglich.

Der Verein „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ hingegen fordert mehr als das. Gestern hat die Initiative ein Bürgerbegehren für die beiden in den zwanziger Jahren gegründeten Theater gestartet. Der Verein kämpft für die Sicherung der Nutzung und des baulichen Bestands beider Häuser und verlangt vom Bezirksamt „die Ausschöpfung aller planungsrechtlichen Instrumente“. Bis Juni will man 7200 Unterschriften sammeln, als erster Prominenter soll heute der Schauspieler Jochen Busse unterschreiben.

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