Stadtleben : Kuscheln unterm Sternenzelt

AUFTRITT DER WOCHE: Norah Jones singt auf der Spandauer Zitadelle. Ihre Konzerte sind alles andere als Egotrips

Nana Heymann

Es läuft nicht mehr so gut für Norah Jones. Im Frühjahr hat die Sängerin ihr neues, mittlerweile drittes Album „Not Too Late“ veröffentlicht, erstmals hat sie dafür alle Songs selbst geschrieben und diese erneut mit einer famos-elegischen Mischung aus Jazz, Blues, Folk und Pop unterlegt. Doch obwohl sie sich dabei bestimmt viel Mühe gegeben hat, verkauft sich die Platte eher schleppend. Bislang nur drei Millionen Mal.

Was für Außenstehende nach Luxusjammern klingt, dürfte die Betreiber von Norahs Plattenlabel zum Grübeln bringen. Das Debütalbum „Come Away With Me“ sowie der Nachfolger „Feels Like Home“ gingen weltweit insgesamt fast 40 Millionen Mal über die Ladentheke, dagegen schmiert der Neuling schon deutlich ab. Aber eigentlich gibt es dafür eine logische Erklärung: Die Welt ist noch betört von älteren Hits wie „Sunrise“ oder „Come away with me“, sie hat vorerst kein Ohr für Neues.

Die Künstlerin selbst verkraftet den vermeintlichen Liebesentzug ganz gut. Gerade ist sie auf Deutschland-Tour, am Mittwoch kommt sie nach Berlin. Ihre Show ist keine Effekthascherei, sondern eher ein großes, besinnliches Beisammensein. Norah Jones schlüpft dabei in die Rolle der charmant-umsichtigen Gastgeberin, die um das Wohl ihrer Besucher sehr bemüht ist. Ein Norah-Jones-Konzert ist alles andere als ein rücksichtsloser Egotrip.

Das mag vielleicht daran liegen, dass es der 28-Jährigen bei ihren Auftritten nicht um Selbstdarstellung geht, sondern tatsächlich um Musik. Norah Jones wuchs im texanischen Grapewine auf, besuchte schon früh den Kinderchor und nahm Klavierunterricht. Dieses musikalische Interesse ist genetisch bedingt: Ihr Vater ist der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar. Dessen berühmten Nachnamen legte sie jedoch mit 16 ab. Ihr voller Name Geetali Norah Jones Shankar hätte vermutlich sowieso nicht auf ein Plattencover gepasst.

Bevor Norah Jones 2002 ihr erstes Album veröffentlichte, studierte sie Musik mit Schwerpunkt Jazzpiano und trat in verschiedenen New Yorker Jazzclubs auf. Mit einem Demoband bewarb sie sich beim Plattenlabel Blue Note – von da an ging alles ziemlich schnell. Für ihren Erstling „Come Away With Me“ erhielt sie insgesamt sieben Grammys. Nicht schlecht für jemanden, der gerade erst die Uni verlassen hatte. Nach dem Preisregen bekam die Sängerin jede Menge Angebote von anderen Künstlern. Mit Blues-Legende Ray Charles verstand sie sich im Musikstudio ebenso gut wie mit Rapper Andre 3000 von Outkast oder Rocker Dave Grohl von den Foo Fighters. Die musikalischen Experimente scheute sie jedenfalls nicht.

In diesem Jahr hat die Musikerin ein weiteres Debüt gegeben: In Wong Kar-Wais Film „My Blueberry Nights“ spielt sie Elisabeth, eine junge Frau, die bei einer Reise durch die USA zu sich selbst findet. In Deutschland soll der Film im November starten, bei den Filmfestspielen in Cannes wurde er für die „Goldene Palme“ nominiert. Die hat er dann zwar doch nicht gewonnen, aber dafür bekam Norah gute Kritiken. Vielleicht der Grundstein für eine Zweitkarriere als Schauspielerin – nur für den Fall, dass es mit der Musik weiterhin vergleichsweise schleppend laufen sollte.

19.30 Uhr Zitadelle, Tickets ab 56 Euro, www.berlin-ticket.de

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