Kuscheltierladen : Die Direktorinnen des Frottee-Zoos

Paradies für Kinder und Große mit Pippi-Langstrumpf-Komplex: Der Kuscheltierladen „Glaube und Wahrheit“ in Prenzlauer Berg.

 Daniela Martens
325271_0_3f90fd1d.jpg
Schmusebiester. Beate Lenger und Nicole Mieth (v. l. n. r.) fertigen und verkaufen Kuscheltiere, die Schweinmeisenbär oder...

Der geflügelte Mops muss perfekt werden. Mindestens so gut wie die Schlurpskuh und der Schweinmeisenbär. Perfekt ist aber nicht so einfach. Und deshalb gibt es noch keinen Mops. „Nicole hat zwar mal einen genäht, den ich toll fand“, sagt Beate Lenger. „Aber sie selbst war nicht mit den Flügeln zufrieden. Und deshalb ist er dann im Lager verschwunden.“ Nicole Mieth nickt.

Der geflügelte Mops ist das Symbol ihres Geschäftes „Glaube und Wahrheit“ in der Schliemannstraße 29 in Prenzlauer Berg. Der Laden ist ein buntes, überladenes Paradies für Berliner mit Pippi-Langstrumpf-Komplex, und natürlich auch für richtige Kinder. Überall sitzen seltsame Stofftiere: Den Schweinmeisenbär etwa, eine Kreuzung aus Schwein und Ameisenbär, gibt es unter anderem in gestreift, geblümt, gepunktet. Außerdem: Katzen als Nackenrollen, längliche Dackel, Schweine als Kissen. Die beiden studierten Modedesignerinnen entwerfen, nähen und verkaufen selbst – auch Taschen für Kindergartenkinder, Mütter, Studenten, Kleider für kleine Mädchen und Röcke für Größere, Wärmflaschenbezüge und so viele andere bunte Sachen, dass man sofort den Überblick verliert.

Das alles kommt Leuten, die ab und zu in Berlin spazieren gehen, ein bisschen bekannt vor: Denn in Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und im Norden Neuköllns ist der nächste kleine Laden, in dem sich jemand mit buntem Schnickschnack selbst verwirklicht, nie weit entfernt. „Das macht Berlin doch aus“, sagt Nicole Mieth. „Hier kann man sich den Luxus noch leisten, als kleiner Designer einen eigenen Laden aufzumachen – sogar in Prenzlauer Berg, wo die Mieten in der letzten Zeit so gestiegen sind.“

Viele Berliner Kreative verkaufen ihre Sachen auch auf den monatlichen Designmärkten „Side-Seeing“ und „TrendMafia“. Oder im Internet, etwa auf dem von der Oranienburger Straße aus betriebenem Portal Dawanda: Die bunten Eulen, die das Berliner Label Naemima auf der Seite vertreibt, würden auch gut in das Geschäft „Glaube und Wahrheit“ passen. Ebenso die geblümten und karierten Hühner Rosamunde und Donna von der Firma Himmelrosa.

„Bunt, selbst gemacht und ein Unikat“, das sei nicht nur ihr Lebensstil, sondern inzwischen auch so eine Art Berliner Markenzeichen, sagt Beate Lenger. Und diesen Stil verkauft sie mit ihrer Kollegin in die ganze Welt. Touristen, die einmal etwas im Laden gekauft haben, ordern weitere Viecher aus der Ferne. Und in rund 20 Spielzeuggeschäften in ganz Deutschland sitzen ihre Tiere ebenfalls.

Doch am liebsten entwickeln die beiden Designerinnen Formen und Farben mit den Kunden gemeinsam im Laden – für die Tiere, die in ihrem früheren Leben manchmal ein Frotteevorhang waren oder ein Handtuch. Die Stoffe sammeln sie bei ihren Müttern oder Bekannten. Manche Kunden bringen das Material selbst mit. Wie jener Mann, der seiner Frau zum 30. Hochzeitstag ein Tier aus der Bettwäsche machen ließ, die das Paar zur Hochzeit bekommen hatte. „Das war unser romantischster Auftrag.“ Aber eigentlich sind Kinder Beate Lengers und Nicole Mieths Lieblingskunden. Ihr Ziel: Die Kleinsten mit Kuscheltieren, Schnuffeltüchern und Kissen zu versorgen, die sie so sehr lieben, dass die Eltern sie nur heimlich waschen dürfen. Und so stabil, dass sie erst auseinanderfallen, wenn der Besitzer mindestens 30 ist. „Zu Tode geschnuffelt“ nennt Beate Lenger das.

0 Kommentare

Neuester Kommentar