Lachen hilft : Auf Humor-Visite

Als Krankenhausclown spielt Opernsänger Rolando Villazón mit Kindern. In Tempelhof albert er in der Klinik herum und in Prenzlauer Berg sucht er Talente.

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Bühnenkasper. Der 39-Jährige trat im St.-Joseph-Krankenhaus auf.
Bühnenkasper. Der 39-Jährige trat im St.-Joseph-Krankenhaus auf.Foto: dapd

Der große Mann mit den Ringelstrümpfen und der runden roten Nase tanzt um Lara herum. Er bläst in seine Tröte, schüttelt seine schwarzen Locken, dann bleibt er vor Lara stehen und hält ihr seine flache Hand entgegen. Patsch. Das kleine Mädchen schlägt ein. Patsch. Noch einmal schlägt sie ein, aber der Clown hat noch nicht genug. Ein drittes Mal streckt er Lara die Handfläche hin. Sie gluckst. Dann schlägt sie dem Clown gegen die flache Stirn. Plumps, er landet auf dem Boden.

Kein Wunder, dass dieser Clown komödiantisches Talent hat, denn auf Bühnen kennt er sich aus. Im Hauptberuf ist er Tenor und als solcher weltberühmt. Rolando Villazón ist in das St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof gekommen. Seit dem Jahr 2008 ist der 39-Jährige Botschafter des Humors für „Rote Nasen“, eine Dachorganisation europäischer Krankenhausclowns.

Villazón – heute nennt er sich Dr. Rollo – ist gemeinsam mit Silver, Filou und Brigitte unterwegs. Mit ihrer wöchentlichen Humor-Visite gehören die Clowns auf der Station schon fast zum Team. Das St.-Joseph-Krankenhaus ist eine von acht Kinderkliniken in Berlin und Brandenburg, die regelmäßig Besuch von den Clowns bekommen. Auch in elf Senioreneinrichtungen gehören die Auftritte zum festen Programm.

Dr. Rollo, Silver, Filou und Brigitte tröten, stolpern, schubsen. Sie lachen, singen, fluchen, summen. Sie ziehen als Polonaise über den Flur, klauen einander die Hüte und den Ärzten die Stethoskope. Sie streiten miteinander um die größte Puddingschüssel, blasen in ihre Tröten, klampfen auf einer Ukulele, pusten Seifenblasen in die Luft. Sie drücken auf ein Schweinchen aus rosafarbenem Gummi, damit es furzt. Und mit alldem lassen sie ein Lachen auf den Gesichtern vieler Patienten erscheinen.

„Jeder hat einen Clown in sich“, sagt Villazón. Er erzählt, dass er schon als Schüler in Mexiko-Stadt in Krankenhäuser gegangen sei. Gemeinsam mit Mitschülern habe er Lieder und Sketche zum Besten gegeben, um Patienten aufzuheitern.

Villazón ist auch deshalb in Berlin, weil er am Dienstag- und Mittwochabend im Kesselhaus in Prenzlauer Berg zu Gast war. Er präsentierte unter dem Namen „Die Stars von morgen“ Konzertabende, bei denen kommende Musikstars gesucht wurden. Die Klassik-Castingshow wurde aufgezeichnet und soll in einigen Monaten im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Auch in der eigenen Karriere des Sängers spielte Berlin eine wichtige Rolle. In der Staatsoper Unter den Linden sang Villazón als 28-Jähriger in Verdis „Macbeth“ seine erste Premiere in Europa. Auch danach trat er oft in dem Opernhaus auf. In den vergangenen Jahren jedoch hatte Villazón immer stärker mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Unter anderem musste er sich im April einer Stimmbandoperation unterziehen. Die Stimme des einst so glanzvollen Opernstars, sie hat gelitten.

Im Krankenhaus aber, zwischen Medikamentenboxen und Krankenbetten, Infusionsbeuteln und weißen Kitteln, spielt das keine Rolle. Fast hat Villazón der kleinen Lara ein bisschen Angst eingejagt. Sie lässt sich von ihrer Mutter auf den Arm nehmen, drückt sich fest an sie. Ein letztes Liedchen singen Dr. Rollo und Filou für sie, dann schunkeln die Clowns wieder hinaus auf den Krankenhausflur und hinein in das nächste Patientenzimmer. Ein bisschen zu laut war es für Lara, ein bisschen zu voll. Dann aber lacht sie. Sie fand ihn toll, den Besuch von Dr. Rollo.

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