Stadtleben : Lachen Jesus, Buddha und Mohammed? Vortragsreihe über

Glauben und Humor

Max-Peter Heyne

Der Islam – eine durch und durch todernste Angelegenheit? Spätestens der sogenannte Karikaturenstreit hat im Westen, aber auch in vielen arabischen Ländern das Vorurteil verfestigt, die Weltreligion der Muslime lasse keinen Platz für Witz und Humor. Eine irrige Auffassung, „denn von Mohammed ist im Gegensatz zu Jesus überliefert, dass er gescherzt und gelacht hat, um seine Anhänger um sich zu scharen“, sagt Harald-Alexander Korp. Heute Abend will der Berliner Religionswissenschaftler bei einem Vortrag eine Antwort auf die Frage „Lacht Mohammed?“ geben.

Damit startet Korp eine ganze Vortragsreihe, in welcher er die Weltreligionen auf ihr vermeintlich gestörtes Verhältnis zu Humor und Lachen nacheinander untersucht. Denn diese menschlichen Regungen seien „erstaunlicherweise für alle Weltreligionen ein Problem“, sagt Korp. Wohl deshalb, weil Lachen „wie Liebe und Erotik mit körperlicher Erfahrung zu tun hat“, der eigene Körper sich der Kontrolle des Lachenden zumindest kurzzeitig entziehe, vermutet er. Er betont, dass dabei die eigene Person, aber vor allem der Gegenstand, über den gelacht wird, relativiert wird – also auch religiöse Inhalte und diejenigen, die sie als Würdenträger vertreten.

Weil Humor und Lachen als subversive Waffen gegen Dogmen aufgefasst werden können, drohen in allen Religionen in der Praxis Lachverbote, hat Korp festgestellt. Dabei finden sich in den religiösen Originalschriften – in Abstufungen – überall Bezüge zum Humor. Glaube und Humor schließen sich also nicht grundsätzlich aus. Besonders das Judentum pflegt eine ausgeprägte Witzkultur, die als Teil der lebendigen, streitbaren Auseinandersetzung der Gläubigen mit Gott interpretiert werden kann, sagt Korp, und der Buddhismus enthalte explizite Verweise auf Humor als Teil der Natur des Menschen und seiner Erleuchtungsfähigkeit.

Der Wissenschaftler gibt zu, dass selbst die Frage, ob Mohammed gelacht habe, bei manchen Muslimen auf Kritik stößt. Dass Mohammed „aus kulturgeschichtlichen Gründen sakrosankt“ sei, müsse man akzeptieren. Trotzdem könne die Reflexion über das „alle Religionen gemeinsame Element des Humors“ Anlass dazu sein, ins Gespräch zu kommen und weniger das Trennende als das Verbindende zu sehen. Max-Peter Heyne

Lacht Mohammed? Café am Ufer, Uferstraße 12, Wedding, heute 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro. Telefon 46 50 71 39

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