Landwehrkanal : Die ersten Bäume fallen

Der Berliner Landwehrkanal ist heute wegen dreier umsturzgefährdeter Linden für den Schiffsverkehr komplett gesperrt worden. Die "Risikobäume" sollen jetzt umgehend gefällt werden. Umweltschützer protestieren. Am Paul-Lincke-Ufer fiel bereits eine Pappel.

BerlinWegen dreier umsturzgefährdeter Linden hat das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Berlin heute den Landwehrkanal für den Schiffsverkehr komplett gesperrt. Grund sei die Beeinträchtigung der Sicherheit der Schifffahrtswege, sagte WSA-Leiter Hartmut Brockelmann. Die drei "Risikobäume" am Tempelhofer Ufer würden umgehend gefällt, um die baldige Wiederaufnahme des Schiffverkehrs zu ermöglichen. Der Kreuzberger SPD-Abgeordnete Stefan Zackenfels forderte, die Maßnahme sofort zu stoppen.

Nach Angaben des WSA-Leiters hat der Berliner Senat heute die Fällung der drei Bäume zwischen der U-Bahn-Station Möckernbrücke und der Großbeerenbrücke bewilligt. Der Antrag sei am Vortag von seiner Behörde eingereicht worden, nachdem diese eine erhöhte Umsturzgefahr der Bäume festgestellt hatte. Der Senat hebt damit eine vorangegangene Ablehnung des Antrages durch das Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain auf. Gegen die Fällung von bis zu 200 Bäumen machen auch zahlreiche Anwohner und Umweltorganisationen wie "Robin Wood" mobil.

Grundproblem ist der schlechte Zustand der Ufermauer, die auf etwa elf Kilometern Länge einsturzgefährdet ist. Das WSA befürchtet, dass ufernahe Bäume umstürzen könnten, wenn die Uferwände unter ihnen nachgeben. Derzeit prüfe das Amt zusammen mit den Bezirksämtern die Standsicherheit einzelner Bäume, sagte Brockelmann.

Pappel in Kreuzberg gefällt

Am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer wurde heute bereits ein Baum gefällt. Nach Angaben des "Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal" handelte es sich um eine Pappel, die offenbar einen Blitzschaden hatte. Dafür sollte eine Genehmigung des Bezirks vorliegen, die Polizeibeamte vor Ort aber anscheinend nicht vorweisen konnten.

Vertreter der Berliner Reedereien dringen ebenfalls auf eine schnelle Öffnung der Wasserstraße. "Die Auswirkung der Sperrung des Landwehrkanals auf den Tourismus ist exorbitant", betonte der Geschäftsführer der Stern und Kreis Schiffahrt GmbH, Jürgen Loch. Seinen Angaben nach gehen den Berliner Reedereien von Freitag bis Sonntag hierdurch 15.000 Fahrgäste verloren. Insgesamt 40 Prozent der touristischen Bootsfahrten fänden auf dem Kanal statt. Von der Nutzung der Wasserstraße hingen indirekt 500 Arbeitsplätze ab.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin forderte vom WSA die sofortige Freigabe des Landwehrkanals für die Fahrgastschifffahrt. Die von der Behörde aus Sicherheitsgründen verfügte Sperrung sei ein Skandal, kritisierte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter. Die Sperrung des Landwehrkanals mitten in der Saison schade dem Tourismus in der Hauptstadt massiv.

"Strategie der Eskalation"

Der SPD-Abgeordnete Zackenfels nannte das kurzfristige Fällen einer Reihe von Bäumen "unerhört". Das Bundesamt fahre bewusst eine "Strategie der Eskalation". Anwohner, Bezirk und Schifffahrtsamt hätten ursprünglich ein "transparentes Verfahren" vereinbart, bei dem alle Betroffenen informiert und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden sollten. Hierzu müsse wieder zurückgekehrt werden.

Hinsichtlich einer langfristigen Sanierung der verfaulten Holzspundwände hat das WSA unterdessen einen Wettbewerb ausgeschrieben. "Wir prüfen sämtliche Möglichkeiten einer Sanierung der altersschwachen Uferwände", sagte Bockelmann. Eine Entscheidung über die Art der Sanierung werde voraussichtlich Ende September 2007 fallen. (mit ddp)

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