Landwehrkanal : Schwer gesichert

Acht-Tonnen-Betonblöcke sind entlang des Landwehrkanals aufgestellt worden: Sie sollen das Umstürzen der Bäume verhindern.

Cordula Däuper
Betonklötze Landwehrkanal
Keine Gedenksteine, sondern Anker. An den Betonklötzen werden die Bäume am Landwehrkanal befestigt, damit sie nicht umkippen. -Foto: Peter Meißner

BerlinNach der umstrittenen Fällung von 22 Bäumen am Landwehrkanal sichert das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Berlin jetzt 20 weitere Kastanien, Pappeln und Weiden auf ungewöhnliche Art: Neben jeden Baum werden zwei große Betonblöcke gestellt und über Stahlseile mit diesem verbunden. Die Methode sei „bundesweit ein Novum“, sagt WSA-Leiter Hartmut Brockelmann.

Die Verankerung verhindere, dass die Bäume bei einem eventuellen Abrutschen der maroden Ufermauer umkippen. Allenfalls könnten die Gewächse „senkrecht nach unten“ rutschen, sagt Brockelmann. Auch dies gefährde jedoch Passanten, deshalb seien Zäune zur Absperrung geplant. Die je acht Tonnen schweren und 1,5 Kubikmeter großen Betonwürfel sind Spezialanfertigungen. Insgesamt sollen die Sicherungsmaßnahmen rund 200 .00 Euro kosten.

Nach einer grundlegenden Ufersanierung, die mehrere Jahre dauern wird, will das Amt die Verankerungen wieder entfernen. Brockelmann gibt zu, dass die Betonblöcke keine Zierde sind. Aber: „Es ist ein Kompromiss.“ Die Methode sei mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Naturschützern und der Bürgerinitiative „Rettet die Bäume am Landwehrkanal“ abgesprochen. Inzwischen gebe es Vorschläge, den Beton künstlerisch zu verschönern – das sei aber noch nicht spruchreif.

Die Anwohner sehen die Maßnahmen mit gemischten Gefühlen. Michael Barsig, ein von der Bürgerinitiative beauftragter Sachverständiger für Baumstatik, freut sich über die Rettung der 20 Bäume, denen ursprünglich ebenfalls die Fällung gedroht hatte. Andererseits seien die Verankerungen „völlig übertrieben“. Das Amt habe bei seinen Statikberechnungen „die Eigensicherung der Bäume durch Wurzeln nicht berücksichtigt“. Eine Untersuchung des jeweiligen Wurzelverlaufs hätte vermutlich ergeben, dass bei einigen Bäumen deutlich kleinere „Punktfundamente“ ausreichen würden. Auch die Kosten seien überhöht, findet Barsig. Er argwöhnt sogar, das Amt wolle so seine ursprünglichen Pläne für Fällungen und Neupflanzungen als bessere Lösung darstellen.

Wann Ausflugsschiffe wieder den Kanal befahren können, ist noch offen. Amtsleiter Brockelmann legt sich nicht fest, hofft aber auf einen Termin gegen Ende kommender Woche. Die Bürger wollen unterdessen nochmals für die Bäume demonstrieren: Am Sonnabend ab 15 Uhr sind Menschenketten auf fünf Brücken geplant.

0 Kommentare

Neuester Kommentar