Leichtathletik-WM : Blaue Bahn am Brandenburger Tor

Während der Leichtathletik-WM ist auf dem Pariser Platz eine 200 Meter lange blaue Tartanbahn aufgebaut. Um Medaillen wird dort nicht gekämpft. Sportlich geht es aber auch dort zu - für den guten Zweck.

Jennifer Fraczek[ddp]

Wie Puzzleteile werden die Holzplatten mit dem blauen Gummibelag aneinandergesteckt. Dann wird kurz gehämmert und wieder ist ein Stück Tartanbahn fertig. Etwas ratlos verfolgt eine Touristin aus Lübeck diesen Prozess hinter den Absperrungen auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor. "Und da laufen dann die Sportler drauf?", fragt sie sich und die Umstehenden.

Mit "die Sportler" meint sie die weltbesten Leichtathleten, die von Samstag an in Berlin um Weltmeisterschafts-Medaillen kämpfen. Tatsächlich werden sie ihre Wettkämpfe nicht auf der 200-Meter-Bahn zwischen Brandenburger Tor und Wilhelmstraße austragen, sondern im Berliner Olympiastadion. Auf dem Pariser Platz wird ein Rahmenprogramm zu der Veranstaltung geboten - das sogenannte Kulturstadion.

"Das Kulturstadion ist quasi das kulturelle Pendant zum Olmpiastadion und soll eine Brücke bauen zwischen Sport und Kultur", erklärt Andreas Szankay als Hauptverantwortlicher für die Veranstaltung das Konzept. Damit es - vor allem aus der Luft - wie ein Stadion aussieht, haben die Organisatoren in der Mitte des Platzes ein etwa 40 Meter langes, grünes Zelt errichtet, das den Rasen symbolisieren soll. An seinen Enden befindet sich jeweils eine Bühne. Um das Zelt herum wird die Tartanbahn führen - sie ist blau, genau wie das Vorbild im Olympiastadion.

Auf dieser Bahn werden während der WM mehrere kleine Wettkämpfe ausgetragen. Dabei wird aber nicht um Weltrekorde und Medaillen gelaufen, sondern für einen wohltätigen Zweck. So werden bei einem "Lebensläufe" genannten Bewerb Kinder und Jugendliche versuchen, möglichst viele Runden zu drehen - je mehr sie schaffen, desto mehr Sponsorengelder fließen an ein Bildungsprojekt für Kinder in Mali.

Die eher Passiven unter den "Kulturstadion"-Besuchern können unterdessen im Innenbereich der Tartanbahn an den beiden Bühnen Auftritte von Musikern, Tänzern oder Gesprächsrunden mit Leichtathletikgrößen wie Frankie Fredericks und Mike Powell verfolgen. "Dabei wird es sicher auch die Möglichkeit geben, ein Autogramm zu ergattern", sagt Szankay.

"Keine Fanmeile light"

Angelehnt an Fußball-Großereignissen werden die Wettbewerbe an einer der beiden Bühnen auf einem großen Bildschirm gezeigt. Das "Kulturstadion" soll aber, wie Szankay sagt, keine "Fanmeile light" mit Public Viewing und Biertrinken werden. Deswegen habe man versucht, in das Programm viele unterschiedliche Bereiche mit einzubeziehen: neben Musik und Tanz unter anderem Ernährung und Fitness.

Das Programm im "Kulturstadion" beginnt am Freitag (14. August) um 16 Uhr. Obwohl bis dahin noch einiges zu tun sei, "liegen wir mit dem Aufbau gut in der Zeit", sagt Szankay. Wenn dann alle Laufbahnplatten gelegt und alle Gastronomiezelte aufgebaut sind, sollen sich pro Tag rund 50.000 Menschen dort einfinden.

Anders als die Besucher im Stadion können sie dann an fünf Tagen sogar Live-Sport erleben, ohne Eintritt zu zahlen. "Die Marathonläufer und Geher starten am Brandenburger Tor, laufen mehrmals daran vorbei und kommen schließlich auch wieder dort an", sagt Szankay. Die Tartanbahn werde dann - bei den richtigen Wettkämpfen - allerdings immer abgetragen.

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